Hokuspokus oder Realität?

Meist unbeliebt, hilft aber ungemein, Zusammenhänge für die Praxis besser zu verstehen.

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BluesTrainee
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Hokuspokus oder Realität?

Beitrag von BluesTrainee » 20.02.2015, 19:26

Hallo zusammen,
beim Ausarbeiten von Themen für meinen III Teil des Workshops habe ich mich einem Thema gewidmet und bin etwas abgedriftet. Trotzdem oder gerade deswegen würde mich mal interessieren, wie der dabei entstandene Text hier gesehen wird. Alles nur Theorie und Hokuspokus oder gibt es Spieler die es ebenso sehen...

http://myworldofblues.com/?p=242

Allerbeste Grüße
René

gs
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Beitrag von gs » 20.02.2015, 19:56

Die Position legt auch den Charakter eines Stücks fest.
Suche ich andere Positionen, wird es anders klingen.

Es macht wenig Sinn eine ungeeignete Position zu nutzen,
in der z.B. wichtige Bends oder Vibrato nicht möglich sind.
Das Stück würde Ausdruck verlieren.

Hat man einen Plan wann man welche Position optimal einsetzen kann
wird aus der Angelegenheit ein Ding.

Man sollte auch die Tonverwendung und den Ausdruck im Hinterkopf haben und nicht nur die Note.
So muss es sei :-D

Mamo
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Beitrag von Mamo » 23.02.2015, 06:28

Ja, da hat Gerald sicher Recht!
Aber als nicht ganz so theoriesicherer Spieler hab ich es als Einstieg in die verschiedenen Positionen verstanden. Da kann man dann sicher noch in die von Gerald gedachte Richtung weiter drauf aufbauen.
Z.b. warum nehme ich jetzt die 3. Pos anstatt der 1. Pos.? Wie verändere ich damit die Stimmung des Liedes? Wo liegen die besonderen Töne?

Rene hat das ja schon mit den erwähnten "Sweetspots" angedeutet...

Gruß Marco

munkamonka
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Beitrag von munkamonka » 23.02.2015, 12:36

Ganz genau verstehe ich den Punkt deines Artikels nicht, René. Hälst du das beherrschen aller Positionen nun fuer sinnvoll, oder empfiehlst du, eher die Harp zu wechseln?

Meine Meinung zu den Positionen:
Du sagst zwar, einen overblow hört man irgendwann nicht mehr, genau wie beim bending. Aber beides ist falsch, finde ich. Man hoert sie. Beide. Auch bei Howard Levy und Carlos del Junco und Konstantin Reinfelder. Und während die bends *in meinen Ohren* meistens gut klingen, tun es die OBs nicht.

Außerdem vernachlässigst du das mehrtoenige Spiel. Während jeder Ton mit spieltechniken irgendwie erreichbar ist, sind es die intervalle und akkorde nicht.

Und du ignorierst die tonlage. Wenn ich keine hohe Harp z.b. in e spielen will, kann ich eine tiefere in a nehmen (2./3. Pos.).

Aber Geralds Argument ist das treffendste, die Positionen haben jeweils ihren eigenen Charakter, durch die Lage der toene ergeben sich charakteristisch Melodien, akkorde und Nutzung von blas- oder ziehtoenen, bevorzugte Nutzung der oktaven und somit der tonbildung.

Ich kann nur 1./2./3. Position. damit kommt man einigermaßen durchs leben. Aber ein paar andere Positionen waeren sicher hilfreich.

Gruß
Markus
... meiner meinung nach

gs
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Beitrag von gs » 23.02.2015, 20:27

Eventuell hilfreich ...

http://youtu.be/dcK2-QOSr4Q
http://youtu.be/UcnbwyYdwDo

Wenn es etwas traditionelles old scool geben sollte,
was mich umnieten könnte dann postet es.
Dann klemm ich mich hinter die 11 und 12 ein wenig intensiver.
Ha. :shock:

BluesTrainee
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Beitrag von BluesTrainee » 25.02.2015, 08:48

Moin zusammen,
erst mal sage ich natürlich niemandem was er tun soll. Der Artikel soll nur einmal aufzeigen, dass dieses kleine aber feine Instrument eben auch noch einiges mehr zu bieten hat, als es eine weit verbreitete Meinung vermuten lässt.

Es stimmt natürlich, dass die Position auch zum Charakter des Songs beiträgt, nur tue ich mich schwer damit, dass ein Song gezwungener Maßen etwas verliert. Wie beschrieben gewinnt man eben eventuell mehr als man verliert. In jedem Fall sollte man nicht der Position wegen ein Stück auf einer bestimmten Harp spielen, sondern um den besten Ausdruck für den Song zu gewinnen, in welcher Position dies passiert, hängt von vielen Faktoren ab.

Vielleicht habe ich mich etwas falsch ausgedrückt mit dem was man heraushören kann und was nicht. Ich glaube auch, dass Spieler die selber Overblows spielen, diese gut heraushören können (das sind nicht die meisten), ebenso wie einen Bendington. Klar hat der OB einen etwas eigenen Klang... aber ist dieser schlechter oder besser als ein Bendington, ist zumindest mal sehr subjektiv. Auch ein unsauber gespielter bending Ton hört sich nicht gut an...

Das Thema Intervalle und Akkorde spielt natürlich auch ein große Rolle aber der Artikel ist ja auch so schon lang genug ;-).

Mal ein Beispiel für etwas das man gewinnt:
Beim 12 Takt Schema wechselt die Band in den bekannten Akkorden und der Solo Gitarrist macht oftmals nichts anderes als die selben Läufe (meisten Bluesscale) auf dem Griffbrett in eine andere "Position" zu verschieben. Er hat es damit einfacher... Er kann die selben Patterns spielen... Bleibe ich auf der Harp in meiner Position kann ich ihm nicht folgen... wechsle ich aber ebenso die Position kann ich es... muss aber neue Patterns lernen...

Wie gesagt jeder soll das spielen was ihm Spaß macht, denn dafür machen wir ja Musik und vielleicht findet ja jemand durch den Artikel oder diese Diskussion etwas neues für sein Spiel heraus... würde mich freuen!!!

Beste Grüße
René

becher95
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Beitrag von becher95 » 26.02.2015, 07:08

Hallo Group,

hier kommt ein Auszug aus einem Workshop Handout von mir, das ich bei einem Workshop in Frankfurt ausgegeben hatte (2011) - es ging genau um ds Thema dieses Threads: Frischer Sound für die Blues Harmonica - die 12. Position

Ich hatte leider den Eindruck damals, dass die allermeisten ziemlich erschlagen waren von dem Thema - zumindest bräuchte man länger als 1-2 Std. damit man die Aha-Effekte und Vorteile nachvollziehen kann, die in der einen oder anderen dazu erlernten Spielposition liegen...hier der Textauszug von "damals" - Grüße, Bertram

Fortgeschrittene Mundharmonika-Spieler "denken" meistens in "Positionen". Die Mundharmonika, die ursprünglich als diatonisches Instrument für das Spielen von Stücken in einer bevorzugten Tonart (C-Harmonica in C) konzipiert ist, wurde durch die Bending-Technik im Blues (Ergänzung einiger fehlenden Töne aus der chromatischen Skala) in einen neuen musikalischen Kontext (Blues) gestellt - meist wird die 2. Position benutzt (C-Harmonica in G).

Damit öffnete sich die Tür nicht nur zum Blues, wo die Harmonica zu dem Solo-Instrument überhaupt wurde, sondern auch zum Rock, Pop und Jazz. In den letzten 10-30 Jahren kam eine neue Spieltechnik dazu.
Ergänzt wurden die trotz Bending-Technik noch fehlenden Töne der Skala durch den Einsatz von Overbends (Overblows und Overdraws), einer Überblastechnik, die das Instrument endgültig chromatisch spielbar macht. Diese Technik ist mit Schwierigkeiten verbunden und nur wenige Spieler beherrschen sie zu 100%. Man könnte auch sagen: Die Richter-Mundharmonika ist "eingeschränkt" chromatisch spielbar.

Für einen Musiker, der von Anfang an ein chromatisches Instrument nach Noten zu spielen gelernt hat, ist das Denken in Positionen vollkommen unlogisch. Traditionell wird meistens die Improvisation auf der Mundharmonika "intuitiv" erlernt - um in einer gemeinsame Sprache zu sprechen, haben sich die "Positionen" als nützlich erwiesen.

Daraus ergibt sich, dass es einige Positionen (=Tonarten) auf der Mundharmonika gibt, die für bestimmte Musikstile besser geeignet sind als andere.

Man wird unweigerlich immer einige Töne in jeder Position bevorzugen und andere vermeiden - daraus folgt, dass die Improvisationen, die man entwickelt, in jeder Spiel-Position anders klingen.

Es gibt typische Licks/Tricks/Stilelemente für jede Position und ein fortgeschrittener Spieler hört, in welcher Position eine Aufnahme gespielt wurde...Fazit: JEDE dazu erlernte Position ist eine musikalische Erweiterung für den Spieler!
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