Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

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Jose Carioca
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Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139069Beitrag Jose Carioca »

Hallo,

Ich spiele jetzt seit ca. 1,5 Jahren diatonische Mundharmonika, und möchte diese wohl als Schwerpunkt beibehalten. Mein Hauptfokus ist zurzeit Blues und Folk, wobei ich in ein paar Jahren mich schon gerne in den Jazz hineinwagen würde. Daher kommt bei mir immer wieder der Gedanke auf, mir eine Easttop Forerunner 2.0 und die „Method for Chromatic Harmonica“ von Max de Aloe zuzulegen, und parallel ein wenig chromatische Muha zu lernen. Ohne große Ambition, mehr als Ergänzung, bis ich dann irgendwann mal tatsächlich den Sprung rüber zum Jazz wage. Andererseits habe ich auch die Befürchtung, dass ich mich dadurch verzetteln würde, und - logischerweise - meine Fortschritte im diatonischen Harpspiel sich verlangsamen würden.

Daher meine Fragen an all diejenigen unter euch, die beide Instrumente spielen: Wie seit ihr denn beim Erlernen der beiden vorgegangen? Wie unterschiedlich/gleich sind sie denn? Gibt es so etwas wie Synergieeffekte wenn man beide lernt, oder sind es doch zwei ziemlich unterschiedliche Instrumente?
hafn
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139070Beitrag hafn »

Jose Carioca hat geschrieben: 19.08.2026, 16:06 Wie unterschiedlich/gleich sind sie denn? Gibt es so etwas wie Synergieeffekte wenn man beide lernt, oder sind es doch zwei ziemlich unterschiedliche Instrumente?
Nicht die Instrumente an sich machen den großen Unterschied, sondern wie man mit ihnen umgeht. Ich persönlich vermute diese verschiedenen Arten von Umgang mit der Chromatischen:
hafn hat geschrieben: 08.08.2026, 12:07
  • Die meisten Notenleser oder -denker, die Chromatische spielen, spielen auf einem C-Instrument. Die sind nicht betroffen vom Thema "transponierendes Instrument".
  • Die meisten, die vorrangig Diatonische spielen aber die Chromatische nur gelegentlich, können oder wollen nicht in Noten denken. Obwohl die am ehesten geneigt sind, Chromatische in verschiedenen Stimmungen zu spielen (sonst müssten sie zu viele Positionen lernen), können sie mit dem Konzept "transponierendes Instrument" nichts anfangen, weil es ihnen zu viel mit Noten zu tun hat.
  • Diejenigen, die Noten lesen oder denken und absichtlich zu anderen Chromatischen als einer in C greifen (auch wenn sie mit anderen zusammenspielen), sind die wenigsten / am seltesten, aber die können am ehesten etwas mit dem Konzept "transponierendes Instrument" anfangen.
So wie im mittleren Punkt beschrieben, ist der Unterschied zwischen Chromatischer und Diatonischer am geringsten. Die Spieler kaufen sich halt so viele Chromatische in verschiedenen Stimmungen, wie es bequem ist, und es schadet ihnen auch nicht, sich nicht mit Noten zu beschäftigen. (Zugegeben, das ist nicht der einzige Grund, verschiedene Stimmungen zu kaufen. Akkorde zu spielen, ist ein weiterer.)

Ich glaube, Easttop hat die Forerunner 2.0 extra für Kunden entworfen, die Diatonische kennen und mögen. Die Forerunner gibt es in allen 12 Stimmungen und sie hat keine Ventile, das kann kein Zufall sein.
Jose Carioca hat geschrieben: 19.08.2026, 16:06 wobei ich in ein paar Jahren mich schon gerne in den Jazz hineinwagen würde.
Wie würdest Du letztendlich z.B. Take Five in der Originaltonart Es-Moll spielen wollen? (Vorzeichnung von Es-Moll mit 6 Bs, will heißen: B statt H, Es statt E, As statt A, Des statt D, Ges statt G und Ces statt C. Von den Stammtönen bleibt nur F.)
Man kann sich verschiedene Ziele vorstellen, dann geht es nur darum, den Weg zum Ziel zu beschreiten.
Liebe Grüße
Thomas
Jose Carioca
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139071Beitrag Jose Carioca »

Danke! Mich mit Noten zu beschäftigen sähe ich nicht als Problem. Ganz im Gegenteil, das sehe ich als einen der Vorteile den ich aus dem Lernen der Chromatischen ziehen würde. Die Methode von de Aloe hat auch keine Tabs. Es ist mehr eine Frage der Technik: gibt es da viele Überlappungen, oder lernt man im Prinzip zwei (fast) unterschiedliche Instrumente?
hafn
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139072Beitrag hafn »

Überlappungen, wenn Du dich wie bei der Diatonischen auf wenige Positionen beschränkst (die Kernoktave der Diatonischen findet sich in der Chromatischen repliziert wieder), sonst mit zunehmender Anzahl der Positionen abweichend.

Beispiel wieder Take Five mit Chrom in C:
Das ist Moll in der 10. Position, demnach derselbe Tonvorrat wie Dur in der 7. Position.
Ich vermute, das ist dann doch eine neue Erfahrung für Dich, oder irre ich mich da?
Zuletzt geändert von hafn am 19.08.2026, 20:00, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Thomas
Juke
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139073Beitrag Juke »

Die Chrom spiele ich vor allem im Blues im Stil von George Harmonica Smith, Rod Piazza, Michael Arlt (BB & The Bluesshacks) und vor allem William Clarke. Da wird sie fast ausschließlich in der 3. Position gespielt.
Wichtig ist dabei, dass man Tongue Block beherrscht, vor allem das Oktavieren, was bei der Chrom bei allen Tönen geht. (Mit wenigen Ausnahmen)

Ansonsten spielt sie sich sehr ähnlich wie die Diatonische.

Der Vorteil liegt zum einen darin, dass man alle Töne ohne Overblows/-draws hat und den fetten Mollakkord auf 1bis 4 Ziehen (und in allen Oktaven) hat. Und natürlich der charakteristische Sound der Chrom.

Ich kann zwar Noten lesen, spiele aber ausschließlich nach Gehör. Das klappt auch bei Melodien. Z.B. habe ich eine tolle Platte von Arne Domnerus ( Antiphone Blues) - Saxophon und Orgel, da spielt Arne Allmighty God aus den Sacred Concerts von Duke Ellington. Klasse. Geht für mich gut ohne Noten mit der C-Chrom.

Komm nach Sappenfeld, da kann ich es dir besser erklären - und der Markus aus Berlin sowieso.

Schöne Grüße
Dirk
Heuchi
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139074Beitrag Heuchi »

Jose Carioca hat geschrieben: 19.08.2026, 16:06 „Method for Chromatic Harmonica“ von Max de Aloe
Das Buch war die erste „Schule“, die ich mir für die chromatische Mundharmonika gekauft habe. Da hatte ich aber schon Uwe Warschkows Buch über Tommy Reilly gelesen und daher fielen mir schnell zwei wichtige Punkte bei Max de Aloe auf, die ich sehr kritisch sehe:

1. Er empfiehlt, den Kopf zu bewegen anstatt des Instruments, das ist aber nicht die Meinung der Profis, die ich dazu kenne. Tommy Reilly war da sehr strikt und auch die Nachfolger „seiner“ Schule bis einschließlich Cy Leo haben das (zumindest für Anfänger) ganz klar gesagt: Niemals den Kopf beim Spielen bewegen um von einem Kanal zum anderen zu kommen. Immer die Mundharmonika. Später kann man freier werden.

2. Er empfiehlt zu Beginn das C immer auf Kanal 5 und 9 zu spielen und nicht auf 4 und 8. Auch das ist kein guter Rat. Es ist immer besser den kürzesten Weg zu gehen. Das kritisiert auch Giancarlo Littera (der in Rom chromatische Mundharmonika am Konservatorium als offiziellen Studiengang lehrt) ganz konkret – ohne allerdings Namen zu nennen.

Ansonsten ist sein Buch aber gut aufgebaut und enthält viele nützliche Tipps und Übungen, die gerade in den Bereich Jazz hineinführen. (Mir war das etwas zu viel, da ich dann doch mehr in Richtung Klassik gehe.)
Ich möchte auch noch einmal sehr positiv hervorheben, dass Max de Aloe die Mundharmonika als vollwertiges Musikinstrument auffasst und vermittelt.
hafn
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139075Beitrag hafn »

Heuchi hat geschrieben: 19.08.2026, 20:11
2. Er empfiehlt zu Beginn das C immer auf Kanal 5 und 9 zu spielen und nicht auf 4 und 8. Auch das ist kein guter Rat. Es ist immer besser den kürzesten Weg zu gehen.
Ja, aber ich finde, es ist grundsätzlich noch wichtiger, die Atemrichtung möglichst beizubehalten. Betrifft nicht nur C, sondern auch F (auf der Chrom in C).
Liebe Grüße
Thomas
Heuchi
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139076Beitrag Heuchi »

hafn hat geschrieben: 19.08.2026, 20:25 Ich finde, es ist grundsätzlich noch besser, die Atemrichtung möglichst beizubehalten.
Max de Aloe schreibt diesen Rat lange bevor er den Schieber erklärt und verwendet, was er erst recht spät tut, nachdem er alle Oktaven durchgegangen ist.

Später geht er auch auf solche Fragen ein (Ton c auf ziehen etc). Aber warum man zu Beginn nur 5 und 9 spielen soll erklärt er auch nicht.
Adam_Lark
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139110Beitrag Adam_Lark »

Es gibt deutliche Synergien. Wenn du mir der diatonischen in der 3. Position firm bist, kannst du es quasi direkt auf der Chrom probieren. Die Tonverteilung ist ja wie auf der Richter Löcher 4-7.
Bending fühlt sich bei der Chrom etwas anders an.
Beim Jazz spielen scheinen Noten eine größere Rolle zu spielen. Die auf Chrom zu lernen (für die verschiedenen Tonarten) ist halt Aufwand.
Aber grundsätzlich sehe ich nicht, wie Spielen auf der Chrom dich auf der Diatonischen zurückwerfen würde.
Ausprobieren kannst du es allemal. Wirst du ja früher oder später eh.

Grüße

Adam
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Jose Carioca
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139130Beitrag Jose Carioca »

Vielen Dank! Ich habe mich aber letztendlich doch vorerst dagegen entschieden. Ein Teil "will was Neues haben..." war schon mit dabei, und ich habe ja zurzeit noch genug zum lernen mit meinen diatonischen MuHas...

Die Tipps werde ich mir aber auf jeden Fall noch einmal anschauen, wenn es dann irgendwann so weit ist.
triona
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Re: Diatonische MuHa mit chromatischer ergänzen…?

Beitrag: # 139132Beitrag triona »

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. -6--
Und immer schon einen Schritt nach dem anderen.
Dess daacht doch alles nischt, dess naimodisch Zaich.
frei nach Anton Günther

Meine Nachbarn hören Mundharmonika, ob sie wollen oder nicht.


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