Altersbestimmung Hohner UL 32G

Themen für Spielanfänger, Geschichte verschiedener Mundharmonikas und alles, was sonst nirgendwo passt.

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PeterHadTrapp
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Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133142Beitrag PeterHadTrapp »

Erstmal ein freundliches "Hallo!" in die Runde.
Nachdem mein Account nun aktiviert ist, würde ich Euch gerne etwas fragen.

Ich habe schon die Suchfunktion bemüht, aber wirklich schlauer bin ich dadurch nicht geworden.
Beim Aufräumen der Wohnung der verstorbenen Tante ist eine alte Hohner Mundharmonika aufgetaucht.
Es handelt sich um eine "Unsere Lieblinge" Stimmung G, 32 Loch.

Es scheint ein "älteres Semester" zu sein. Der Karton ist noch nicht durchgehend bedruckt, sprich die beiden kleinen Frauenportraits sind als separate Drucke aufgeklebt worden. Solche Verfahren werden wohl schon lange nicht mehr angewandt, nehme ich an. Außerdem steht als Händler "Roman Mollenhauer - Fulda" auf der Rückseite. Das Musikhaus Mollenhauer firmiert auch schon länger nicht mehr unter "Roman Mollenhauer".

Wie kann man das Herstellungsjahr feststellen oder eingrenzen?

Vielen Dank im Voraus schonmal
Peter
triona
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Re: Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133145Beitrag triona »

Für nähere Bestimmung: Bitte Bilder.

Falls du dir allerdings Hoffnung machst, daß du da eine wertvolle Antiquität geerbt hast: Das war und ist ein Massenmodell. Das Modell wird seit ungefähr 100 Jahren bis heute in mehreren Varianten und Stimmungen hergestellt. Selbst von den ganz alten dürften noch einige vorhanden sein. Die Form wurde in dieser Zeit nur leicht verändert. Und heute wird für den Kamm ein dauerhafteres Material verwendet mit einer verbesserten Oberflächenbearbeitung.

Selbst für gut erhaltene Stücke in unbeschädigter Originalverpackung dürfte nach meiner Erfahrung bei Sammlern kaum mehr als ein niedriger bis mittlerer zweistelliger Betrag zu erlösen sein. Neu kostet die übrigens zwischen 60 und 70 €.

Mein Rat: Spiele sie! Wenn sie noch gut spielbar ist und schön klingt, dann erfreue dich daran. Dann ist es auch ziemlich egal, wie alt sie ist.


liebe grüße
triona
Dess daacht doch alles nischt, dess naimodisch Zaich.
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PeterHadTrapp
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Re: Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133147Beitrag PeterHadTrapp »

Anbei ein paar Links zu den Bildern, die ich gemacht habe.
Ich denke auch, dass ich das gute Stück behalten werde, vielleicht probiere ich es tatsächlich mal aus, die Harp zu spielen.
Trotzdem bin ich wirklich neugierig wie alt sie sein könnte.


Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5
triona
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Re: Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133148Beitrag triona »

Das sind wirklich einmal scharfe und aussagekräftige Bilder.

1. Deine MuHa ist auf jeden Fall jünger als 1937 (in der Prägung des unteren Schalldeckels: Grand Prix Paris 1937).

Näheres zum eventuell jüngsten Datum kannst du wahrscheinl nur erfahren, wenn du ausfindig machen kannst, seit wann das Musikhaus Mollenhauer in Fulda nicht mehr unter "Roman Mollenhauer" firmiert. Dann weißt du, daß das Herstellungsdatum irgendwann zwischen 1938 und diesem Datum liegen muß.

Möglicherweise stammt der Aufkleber auf dem Boden der Schachtel aus der Zeit vor Einführung der Postleitzahlen in DE. Das wäre dann vor 1962 (Einführung der 4-stelligen PLZ) oder evtl vor 1941 (Einführung der 2-stelligen PLZ, die aber im außerpostalischen Alltag eher selten gebraucht worden sind, selbst in den Nachkriegsjahren). Der Aufkleber kann aber auch später noch aufgebracht worden sein.

2. Die MuHa hat deutliche Gebrauchsspuren und ist stark verschmutzt.
Die Schalldeckel sind nicht verbogen oder verbeult oder von außen angerostet, also noch in gutem Zustand.

3. Die feinen Stege des Holzkamms scheinen alle noch vollständig und unbeschädigt zu sein.

4. Die Originalschachtel ist stark verschlissen und mit Bleistift o.ä. bekritzelt.

In Anbetracht dieser Tatsachen, und daß von dieser MuHa im Lauf von nahezu 100 Jahren vermutlich mehrere 100.000 - wenn nicht Millionen - hergestellt wurden, kann mit Sicherheit geschlossen werden, daß du keine außerordentlich wertvolle Antiquität geerbt hast. (Das Modell war immer und ist bis heute noch sehr beliebt.)

Ich habe genau die selbe MuHa in F, mit genau den selben Deckelprägungen. Sie ist in besserem Zustand als deine. Ich habe sie unbespielt gekauft - wenn ich mich recht erinnere - und selber nicht sehr häufig gespielt.

Sie hat auch noch die alte Schachtel mit den von Hand aufgeklebten Bildchen. Nur daß bei meiner 2 andere Damen darauf sind. Auf dem Boden der Schachtel ist die Tonart mit einem genau gleichartigen Stempel aufgebracht wie bei deiner. Meine Schachtel sieht noch aus wie fast neu, lediglich mit ein paar alters- bzw lagerungsbedintgten Stockflecken an der Leinwand des Deckelscharniers und mit teilweise leicht vergilbten Seitenwänden.

Ich weiß nicht mehr, wo ich sie her habe, und was ich dafür bezahlt habe. Ich habe sie schon ein paar Jahre. Es war vlt irgendwas zwischen 10 und 20 €. Sie könnte vlt von Didi Neumann sein. Dann wären es aber auch keinesfalls mehr als 22 oder 25 € gewesen. So wie meine aussieht, ist sie aus sogenanntem "New Old Stock", d.h. Neuware aus alten Lagerbeständen, häufig auch aus Insolvenzen, Geschäftaufgaben, Lagerüberbeständen usw.


Also das beste ist wirklich: Spiele sie, solange wie man noch gut auf ihr spielen kann. (Auch MuHas können altern.) Spiele sie am Anfang auch nicht zu heftig. Alte Stimmzungen, die womöglich auch schon lange nicht mehr gespielt worden sind, können leicht brechen. Benden wie eine Blues-MuHa kannst du auf dieser Oktav-MuHa sowieso nicht. Und nicht-interaktive Einzelstimmzungen-Bends würde ich damit nur empfehlen, wenn du es wirklich kannst.

Aber reinige sie vorher gut. Entferne die ganzen eingetrockneten Speichelreste in den Anblaslöchern an den Rippen des Kamms, an der Innenkanten der Stimmplatten und in der Ritze zwischen Schalldeckeln und Außenkante der Stimmplatten. Das geht mit einem Zahnstocher oder einer Stecknadel. Achte darauf, daß die Krümel nicht in die Kanäle hinein fallen, sondern heraus. Gehe dabei sehr vorsichtig vor, weil die feinen Holzstege des Kamms sehr leicht brechen.

Entferne die Schalldeckel. Dazu mußt du die Nägel an den Stirnseiten sehr vorsichtig ziehen, daß du die Löcher im Holz nicht unnötig aufweitest. Entferne vorsichtig den Schmutz und ggf Rost an der Innenseite der Schalldeckel. Benutze dazu am besten eine geeignete Alkoholart und einen fusselfreien Lappen (MuHa-Reinigungstuch = Brillenreinigungstuch). Achte darauf, daß du dabei keine der Stimmzungen verbiegst, außer Zentrierung bringst oder sonstwie beschädigst.

Wenn du sie anschließend auf Schraubenbefestigung umstellen willst, dann achte darauf, daß du keine zu großen Schrauben verwendest. Nimm die klenisten Holzschrauben, die du finden kannst, und auf jeden Fall nicht länger als ca 8 bis 10 mm. Bohre eforderlichenfalls die Löcher vorsichtig leicht auf, daß du das Holz des Kamms nicht sprengst, wenn du die Schrauben eindrehst. Diese alten Holzkämme sind sehr bruchempfindlich. Neue Kämme, die passen, kriegst du nicht. Lohnt sich auch nicht.

Ich gehe davon aus, daß die Stimmplatten ebenfalls genagelt sind wie bei meiner. Deshalb würde ich die Stimmplatten nicht abmontieren zur Reinigung des Inneren der Kanäle des Kamms. Genagelte Stimmplatten sind nicht ganz so einfach wieder dicht zu bekommen, wenn sie wieder montiert werden. Mit einem Zahnstocher oder einer Stecknadel und einem Pfeifenreiniger müßtest du die Kanäle auch hinreichend sauber kriegen. Achte darauf, daß du die innenliegenden Blaszungen dabei nicht verbiegst, außer Zentrierung bringst oder sonstwie beschädigst.

Wenn du einen Ultraschallreiniger hat, wäre das natürlich das bestmögliche. Lege die MuHa mit abmontierten Deckeln ins Reinigungsbad. Laß sie anschließend gut trocknen. Die Stimmplatten würde ich dazu aus o.g. Gründen nicht abmontieren, es sei denn, du willst sie sowieso auf geschraubt umbauen. Aber da würde ich vorher erst mal probieren, wie gut die MuHa überhaupt noch spielbar ist, und ob du sie weiterhin öfter spielen willst. Ein Umbau lohnt allerdings nur, wenn du sehr häufig damit spielst, und wenn du sie deshalb öfter reinigen willst, als deine Tante dies getan hat.

Überprüfe anschließend, ob die Stimmzungen die richtige Stellung haben. Sie müssen genau parallell zu den Schlitzen in der Stimmplatte stehen und müssen an ihrem freien Ende ein ganz klein wenig von der Kante des Schlitzes abstehen, und zwar immer in die Richtung, aus der der Luftstrom kommt. Wenn erforderlich müssen Lösabstände neu eingestellt oder einzelne Stimmzungen nachzentriert werden. Wenn du das noch nie gemacht hast und nicht weißt, wie das geht, dann frage hier nochmal nach.


liebe grüße
triona
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PeterHadTrapp
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Re: Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133149Beitrag PeterHadTrapp »

Wow ... das ist ja mal eine Antwort :shock:

Vielen Dank dafür. Als bekennender Tüftler werde ich mich mit dieser Anleitung auf jeden Fall an die Reinigung wagen und das schöne alte Teil behalten.
Ob ich dann auch versuchen werde Harp spielen zu lernen, weiss ich noch nicht.

Wenn ich beim Reinigen etc. in Schwierigkeiten gerate, komme ich auf das Angebot zurück und werde hier um "Hilfe rufen".

Gruß Peter
triona
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Re: Altersbestimmung Hohner UL 32G

Beitrag: # 133150Beitrag triona »

Und zum spielen lernen findest du hier auch viele nützliche Ratschläge.
Welche Musik willst du denn spielen?


liebe grüße
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