Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Themen für Spielanfänger, Geschichte verschiedener Mundharmonikas und alles, was sonst nirgendwo passt.

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JohannesF
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Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Beitrag: # 131138Beitrag JohannesF »

Hallo Ihr Lieben,

die Winterzeit nähert sich und damit eine lange Periode sich hinter den Ofen zu hocken und Musik zu machen. In vielen Stuben hört man die Mädels und Buben wie sie so langsam die ersten Töne der bald benötigten Weihnachtslieder zu üben.

Die gesetzteren unter uns, die diese verschiedenen Phasen der jedes Jahr geübten Rituale durch- und überlebt haben, wenden sich anderen Musikstilen zu, mit nicht minderem Wohlbehagen und Ausdruckskraft.

Allerdings haben viele manche Erinnerungen an Weihnachten und die dazugehörigen Liedern, die ja nu sehr mit der Volksmusik verbandelt sind Wenn ich mich recht entsinne bekam ich meine erste Muha, eine große Hohner Echo-Harp zu Weihnachten geschenkt na, und wie hörten sich die ersten Töne an? Nach Stille Nacht, heilige Nacht. So überzeugend muss meine Darbietung nicht gewesen sein, denn großgönnerhaft mit dem überheblichen Grinsen eines Erwachsenen, nahm mir mein Vater meine Muha aus den Händen mit den Worten: "Ich zeich dich mal wie da jeht.". Was dann aus dem an sich schönen Instrument herauskam ruinierte meine Begeisterung an einem Musikgerät für Jahre. Im Nu "Lagen wir vor Madagaskar" die Mannschaft dem Tode nah, hoffentlich stirbt der Musikant als erstes.

So wuchs ich in dem Glauben auf, dass die Muha für Weihnachtslieder (oder für Madagaskar) erschaffen wurde, bis sie die Volksmusik eroberte und das Repertoire sich um "Drei Weisse Birken" oder das "Kufsteinerlied" erweiterte, was ich übrigens bis vor wenigen Monaten niemals hingekriegt habe, logisch, hatten doch die Hersteller bei meinen Muhas immer die Zwischentöne vergessen.

Jahre später, als man so langsam am Wochenende nicht mehr mit den Eltern die berühmten Samstagabend-Shows, immer gewürzt mit ner ordentlichen Prise Volksmusik, über sich ergehen liess und in die weitgefächerte Kneipenkultur flüchtete, hörte man dort Musiker mit Muhas! Aber die spielten irgendwie ganz komisch.....nunja, von der Volksmusik bis zum Chicagoblues lagen ja nu auch Welten.

Eine wirkliche Beziehung zum Blues habe ich eigentlich nie aufgebaut, der einzige Berührungspunkt waren natürlich die Blues Brothers. Den Film habe ungelogen ein paar hundertmal gesehen, und das hat folgende Bewandnis.
Ich habe einen Bruder, der ein Jahr jünger ist als ich. Unsere ganze Jugend haben wir in einem Etagenbett in einem Zimmer gehaust. Und da uns immer sehr schwer fiel abends einzuschlafen, legten wir ein Video ein und so dösten wir langsam ein....und ratet mal, welchen Film zu 99 % zum Einsatz kam?

Auch auf so einigen Festivitäten, vor allem natürlich an Karneval, sah man uns auch nur zu zweit....mit schwarzen Anzügen, schwarzen Sonnenbrillen....schwarzen.....

Natürlich kenne ich jedes Lied auswendig, mein Liebling ist übrigens Minnie, the Moocher.....

Nu aber zu dem, was ich mit diesem Thread eigentlich sagen möchte.

Nun, ich beschäftige mich seit fast einem Jahr intensiver mit der Muha, soviel habe ich früher aus der Uni nie in zwei Semestern gelernt. Dieses Forum war und ist für mich die reinste Offenbarung, lese jeden Tag mehrfach darin und beteilige mich gerne mit Fragen und Kommentaren, soweit es meine Anfängerkenntnisse es zulassen.

So habe ich bisher festgestellt dass sich in diesem Forum hauptsächlich Bluesis (und was für welche!) herumtreiben, kaum jemand an Volksmusik interessiert ist, und dann die anderen, die, so denke ich, meist die Melodien von allem Möglichen spielen.

Die Ausführungen, das Wissen und die absolute musikalische Professionalität der Bluesis ist unschlagbar. Und vor allem die selbstlose Bereitschaft ihr Wissen mitzuteilen und auszutauschen erstaunt mich immer wieder, auch wenn dem hundersten Anfänger die Grundbegriffe und Anfängerfallen erklärt werden.

Lange habe ich mich gefragt, ob die Welt aus 90% Bluesis besteht....und wenn ich überhaupt Muha spielen will, muss ich Bluesi werden, zumindest so einige Theorie und Techniken des Bluesspielen lernen. Was ja auch riesigen Spass macht.

Aber ich frage mich genausolange wo denn die anderen sind, wenn es sie gibt, was sie spielen, woran sie Spass haben. Wie gesagt, mit dem Blues hab ich nach wie vor meine Berührungsängste, das kommt noch, ich weiss, manchem muss ich Zeit geben. Aber momentan bin ich so irgendwie ein fast nur Melodiespieler, und das quer durch das gesamte Musikrepertoire. Sogar an klassische Sachen wage ich mich ran....ob Nabucco, Ave Maria...Zauberflöte.

Mich würde eben sehr interessieren, was ihr so spielt, warum, und vor allem alle auffordern sich hier auszutauschen.

So nu reicht aber wieder....warum werden meine Thread immer so lang.....mmh....ich brauche ein paar Enkel, denen ich Geschichten erzählen kann....

Schöne Grüße aus dem fast frostigen Köln.

JohannesF aus K.
JackSchmidt
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Re: Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Beitrag: # 131140Beitrag JackSchmidt »

Hallo Johannes,

ich spiele auch erst gut ein Jahr, aber Blues war der Grund warum ich damit angefangen habe. Bei mir läuft den ganzen Tag Blues.

Allerdings habe ich auch einige Westernklassiker probiert. Gefallen mir sehr gut.

Und natürlich auch Pup Lieder oder etwas Klassikrock.

Um so mehr ich übe, um so breiter wird das Repertoire.

Dark Country finde ich ebenfalls sehr gut.

Die Muha ist sehr vielseitig und ich spiele was mir gerade gefällt. Juzzie Smith hat auch einige kleine Lieder die gute Laune machen.

Übrigens ist es bei mir 28C bei strahlendem blauen Himmel 8) Da macht das Spielen beim Sonnenuntergang doppelt Spaß -6--
Grüße
Jack
Carlito
Beiträge: 168
Registriert: 22.06.2014, 18:36

Re: Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Beitrag: # 131149Beitrag Carlito »

Hallo Johannes,

als Nichtbluesspieler hatte ich anfangs das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, dasss ich keinen Blues spiele. Inzwischen hat mein Publikum gelernt, dass die (chromatische) Mundharmonika ein sehr vielseitiges Instrument ist, mit dem man fast alle Musik spielen kann, die andere Melodieinstrumente eben auch spielen. Inzwischen spiele ich fast nur noch chromatische Mundharmonikas.

Bevorzugt spiele ich klassische Musik im weitesten Sinn (von Renaissance bis Romantik), außerdem etwas Klezmer und keltische/irische Musik (letztere hauptsächlich für Übungszwecke, zum Vomblattspielen und Schnellspielen).
Ich hab auch schon öfters mal Duos mit anderen Musikern gespielt (Querflöte, Trompete, Posaune, Fagott). In der Coronazeit hab ich mir einen Looper angeschafft, um mit mir selbst spielen zu können (das tu ich immer noch).
Hier z. B.
https://soundcloud.com/matthias_buching ... al_sharing

Im Unterforum "Eigene Sounds ..." gibt es einige Threads mit weiteren Links.

Mit besten Grüßen aus dem Vorgebirge
(von wo aus man bei schönen Wetter den Kölner Dom sehen kann)

Carlito
JohannesF
Beiträge: 58
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Re: Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Beitrag: # 131150Beitrag JohannesF »

Hihoo Ihr Lieben,

also eins möchte ich von Anfang an nochmal Klarstellen: Ich finde sehr viele Musikrichtungen gut und spiele sie auf der Muha. Musik ist für mich auch eben Ausdruck von Emotions, und das geht mit vielen Musikarten, es kommt aus einem selbst.

@Carlito: Deine Tonaufnahme hört sich für mich richtig klasse an, ich war sehr erstaunt. So habe ich Bach noch nie gehört. Toll. Spiele mittlerweile auch fast nur noch Chromatische....man kann ja auch Blues damit spielen. Fürs Solospiel fehlen mir auf den Bluesharps einfach die Töne die da eben nicht drauf sind. Mir ist klar, und auch warum sie so konzipiert sind, aber für Melodien und Klassisches fehlen sie einfach.

Ich kann von meiner Wohnung hier (nähe Flughafen) den Dom gar nich sehen, aber wir Kölner haben ihn ja im Herzen :-).

Schöne Grüße mit Blick im HErzen

JohannesF aus K.
Juke
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Re: Von den verschiedenen Arten und Weisen von Mundharmonikas und die Möglichkeiten sie zum klingen zu bringen.

Beitrag: # 131151Beitrag Juke »

Die chromatische Mundharmonika dürfte ähnlich vielseitig zu spielen sein wie die meisten anderen Musikinstrumente.

Mein passiver Musikgeschmack ist recht breit gefächert. Dass ich vor einigen Jahren Robert Bonfiglio mit dem Konzert für Mundharmonika und Orchester von Heitor Villa-Lobos in unserer Paderhalle gehört habe, war eher Zufall, denn meine Frau und ich haben seit über 35 Jahren ein Abonnement für die hiesigen Sinfoniekonzerte. Noch länger dauert meine Begeisterung für Rockmusik an (lange vor Junior Wells' Hoodoo Man stand eine LP gleichen Namens von Birthcontrol in meinem Plattenregal). Jethro Tull, Deep Purple, Kraftwerk, Genesis (die Platten bis 1976), Pink Floyd, später auch ZZ Top, Zappa, Fusion/Jazzrock, früher Progrock, jede Menge abgefahrenes Zeug ... Über die Rockmusik kam ich irgendwann zum Blues (Rockpalast-Nacht mit Rory Gallagher, später auch mit der J. Geils Band - genial der Whammer Jammer) - und der Blues Band. Die Harp faszinierte mich damals schon.
Durch meinen Bruder (er ist der Musikalische bei uns in der Familie) lernte ich auch den Jazz kennen. Ich bin in Dortmund groß geworden und da gab es eine Band namens Jazz in Opera, alles Mitglieder des städtischen Orchesters. Irgendwann hatten die einen Wechsel beim Klarinettisten. Den Posten übernahm der (zu dem Zeitpunkt schon ehemalige) Klarinettenlehrer meines Bruders und der griff ab und an auch zur chromatischen Mundharmonika und spielte im Stil von Toots Thielemans. Die Mundharmonika ist übrigens eins der wenigen Instrumente, die mein Bruder nicht spielt. Ansonsten bläst er so ziemlich in alles rein, was irgendeine Art von Mundstück hat, zupft und streicht Saiten und weiß auch, welche Tasten gedrückt werden müssen, damit der passende Klang entsteht. Wenn man so einen Bruder hat, muss man sich andere Hobbys suchen.
Mein Schlüsselerlebnis mit der Harp war vor über 40 Jahren bei einem Jazzfestival im Freischütz (Schwerte). Ich sollte meinen Bruder da gegen Mitternacht abholen. Als ich ankam, war er aber schon weg. Dafür spielte gerade Das Dritte Ohr*, eine Bluesband aus Hildesheim mit Udo Wolff an der Harp. Ein paar Tage später nannte ich eine Hohner Pro Harp in G mein eigen und lernte mit Hilfe des beiliegenden "Waschzettels" direkt die Tongue Block Technik. Dass man die Bluesharp im Blues gerne nicht in der Tonart spielt, die auf der Harp drauf steht, sondern in der 2. oder 3. Position spielt, habe ich aber erst ein paar Jahre später erfahren. Bis dahin klang bei mir alles irgendwie dünn und gar nicht nach Blues. Dafür fand schon relativ früh auch eine Chromonika III den Weg zu mir. Das ging anfangs gar nicht und die Chromonika lag in ihrer Kiste und schlummerte. Erst nach vielen Jahren begriff ich irgendwie, dass man die Chrom wunderbar in der 3. Position spielen kann.

Ich höre heute immer noch gerne Rock (Mainstream und abgefahren), kann mich für ein Klavierkonzert von Brahms oder Bachs Wohltemperiertes Klavier genauso begeistern wie für Miles Davis, Return to Forever oder auch jüngst das Requiem von Maurice Duruflé, vom Marburger Bachchor gesungen. Okay, da singt meine Tochter mit. Gilt aber trotzdem.

Nur wenn ich selber zur Harp greife, muss es eben Blues sein. Laut. Verstärkt. Elektrisch. Siehe Signatur. (/)

Und einen Dom haben wir hier auch.

Schöne Grüße
Dirk


* Den Gitarristen der Band, Tom Schrader, traf ich neulich bei einem Konzert von Sugar Ray Norcia in Hildesheim. Er spielt immer noch und meinte, ich solle doch mal bei der monatlichen Session im Ratskeller vorbei kommen.
Ich spiele beide Sorten Musik: Chicago- und West Coast Blues! 8)

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