Der Anfänger lässt das Fragen nicht. - Grundsätzliches zum Blues mit der Harp

Themen für Spielanfänger, Geschichte verschiedener Mundharmonikas und alles, was sonst nirgendwo passt.

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triona
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129457Beitrag triona »

Juke hat geschrieben: 27.05.2023, 18:15 [url=https://www.youtube.com/watch?v=DHRSYu8xXuk]William Clarke: A Good Girl Is
Echt geiler Klang, ab ca 2:33. Ich hab zuerst gedacht, das ist eine Blechbläsergruppe. Mag zwar sein, daß da doch auch noch an manchen Stellen irgendwo Blech mitbläst. Aber ich denke wohl, das war die MuHa mit entsprechender elektrischer Klangverarbeitung. Toll finde ich auch immer wieder den Klang, mit dem Rick Estrin spielt. Paul Oscher hatte den auch gut drauf:
https://www.youtube.com/watch?v=l-5KoP4o4Xc


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JohannesF
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129459Beitrag JohannesF »

Hihoo Ihr Lieben,

ok, ne C-Moll Tonleiter hab ich jetzt....und irgendwie frage ich mich, was machste jetzt damit?

Und die Sache mit den Positionen.....das sind für mich momentan unbekannte böhmische Dörfer....vielleicht bin ich aufgrund der vielen neuen Dinge ein wenig überfordert.....

Aber so geht das....man will ja immer mehr und gibt sich keine Zeit. Ist nicht so einfach den richtigen Anfang zu finden und den richtigen Weg einzuschlagen.

Also, weiter gehts.....vor allem mit üben!

Schöne Grüße aus Köln.

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Juke
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129460Beitrag Juke »

Das Geheimnis der Positionen ist recht leicht zu entschlüsseln:

Wenn du eine Mundharmonika hast, deren Grundtonart C (-Dur) ist, und du spielst sie auch in C (Grundton ist 1 Blasen bei der Bluesharp und bei der Chrom), dann spielst du in der 1. Position.
Spielst du dieselbe Mundharmonika in G (Grundton ist 2 Ziehen bzw. 3 Blasen bei der Bluesharp bzw. 3 Blasen bei der Chrom), spielst du sie in der 2. Position.
Spielst du dieselbe Mundharmonika in D (Grundton ist 1 Ziehen bei der Bluesharp und bei der Chrom), spielst du sie in der 3. Position.
Spielst du dieselbe Mundharmonika in A (Grundton ist der Ganzton-Bend auf 3 Ziehen bei der Bluesharp bzw. 3 Ziehen bei der Chrom), spielst du sie in der 4. Position.
Spielst du dieselbe Mundharmonika in E (Grundton ist 2 Blasen bei der Bluesharp und bei der Chrom), spielst du sie in der 5. Position.
usw.
Nimmst du eine Harp in G, ist G die 1. Position, 2. Position ist D, 3. Position ist A, 4. Position ist E, 5. Position ist H, usw.
Nimmst du eine Harp in D, ist D die 1. Position, 2. Position ist A, 3. Position ist E, 4. Position ist H, 5. Position ist F#, usw.
Nimmst du eine Harp in A, ist A die 1. Position, 2. Position ist E, 3. Position ist H, 4. Position ist F#, 5. Position ist Db, usw.
usw.

Die Reihenfolge der Positionen lässt sich aus dem Quintenzirkel ableiten. Als Bluesharp-Spieler schadet es nicht, wenn man den Quintenzirkel im Kopf hat. Dann kann man schnell entscheiden, welche Mundharmonika passt, wenn man die Tonart des Stückes kennt.

Die übrigen Töne der jeweiligen Skala (ob Blues-Moll oder -Dur oder die "normale" Dur- oder Moll-Tonleiter) sind bei der Chrom jeweils in verschiedenen Kanzellen, teilweise mit und teilweise ohne Schieber zu spielen. Bei der (diatonischen) Bluesharp sind die jeweiligen Töne der verschiedenen Tonleitern teilweise nur mit (weit) fortgeschrittener Spielfertigkeit zum Klingen zu bringen. Blues ist besonders gut in der 2. Position zu spielen. Das kann man u.a. auch daran erkennen, dass in der Musikdatenbank sehr viele Blues-Stücke aufgelistet sind, die in der 2. Position gespielt sind.

@Triona: Das sind besagte Ziehakkorde auf der Chrom, elektrisch verstärkt. Sonst nichts. Ich bin auf die Nummer durch Egidio "Juke" Ingala gekommen, der das Stück auch gern bei seinen Konzerten spielt.

Schöne Grüße
Dirk
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triona
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129461Beitrag triona »

Hier hast du noch einen sehr schönen Quintenzirkel, den du
dir herunterladen und ausdrucken kannst:

Bild

Da kannst du die Position ermitteln durch einfaches Weiterzählen vom Grundton der MuHa (= 1. Position) in Uhrzeigerrichtung.
(internationale Notenbezeichnung B + Bb, wie hauptsächlich in der MuHa-Literatur und bei Blues, Jazz, Rock und Popmusik)


Für andere Modi als Dur (= ionisch) und Moll (= äolisch) kannst du diese Version verwenden (deutsche Notenbezeichnung H+B):

Bild

Alle Tonleitern, die auf dem selben Strahl stehen, haben den selben Tonvorrat. Daher lassen sie sich auch alle durch verschieben der Position - d.h. des Anfangstons einer jeden Tonleiter - auf der selben MuHa spielen. Die gebräuchlichsten davon sind Dur (= ionisch = 1. Pos) und Moll (= äolisch = 4. Pos). Sehr verbreitet sind auch noch die 2. Pos (mixolydisch) und die 3. (Dorisch), die beiden letzteren vor allem auch in irischer, britischer und skandinavischer Volksmusik. Und Lydisch (12. Pos) entspricht der sogenannten Country-Stimmung - von Steve Baker (und bisweilen auch bei Hohner) auch Major7 tuning genannt, die bisweilen auch vorkommt.


liebe grüße
triona
Zuletzt geändert von triona am 27.05.2023, 23:29, insgesamt 1-mal geändert.
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JohannesF
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129462Beitrag JohannesF »

Hihoo Dirk, hihoo Triona

vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Nur zur Rückversicherung, dass ich das richtig verstanden hab:
-"Positionen" sind "nur" beim Begleiten von Blues-Songs mit der Harp wichtig.
-Nach der Tonart des Musikstückes (also was die Band spielt) richtet sich die Tonart der zu spielenden Harp (nach Quintenzirkel, Lied in G, 2.Position Harp in C, 3.Position Harp in F, 4.Position in B usw.)
-Die passende "Bluesharp" gibt die Tonart vor, bei der Chromatischen hab ich für die verschiedenen Tonarten ja den Schieber.
- Um das mal umgangssprachlich auszudrücken: Position is nix anderes als die Bezeichnung für die Tonart der Harp im Verhältnis zur Tonart des Liedes.

Vielen Dank Triona für die Quintenzirkel, schon ausgedruckt (hab sonst immer im Inet nachgeschaut ;) . Na, wenn ich mal so nen Blues hinkriegen werde, wie die beiden, dann tanze ich auch so dazu (mit der gleichen Anstrengung wie Jake im Film)-

Wenn ich daneben gehauen hab, ruhig Schimpfen!

Schöne Grüße aus Köln.

JohannesF aus K.

P.S. So, nu bette ich mich zur Ruh', dudel noch was auffe Harp zum einschlafen.....bevor sich der Kopf gar nicht mehr aufhört sich zu drehen.
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129463Beitrag triona »

JohannesF hat geschrieben: 27.05.2023, 23:28 Position is nix anderes als die Bezeichnung für die Tonart der Harp im Verhältnis zur Tonart des Liedes.
Das hätte ich nicht besser ausdrücken können. :h
Wenn ich nicht irgendwas übersehen habe, hast du das Grundsätzliche völlig richtig wiedergegeben. Das gilt übrigens nicht nur für Blues, sondern für jede Art von Musik, bei der du mit der MuHa mit anderen zusammen spielen willst. Genauso gilt es nicht nur für Bluesharfe, sondern für jede Art von MuHa.

Du solltest nur bedenken, daß auf deiner MuHa nicht das deutsche B draufstehen sollte, sondern das internationale Bb, wenn du eine nehmen willst, um in der 4. Position zu einem Lied in G zu spielen. Nur bei ganz alten Hohner-MuHas steht bisweilen noch die deutsche Bezeichnung drauf.


Du solltest auch besser nicht Gitarristen, Flötenspieler, Klavierspieler usw mit diesen Positionen behelligen. Die dienen eigentlich nur zur Auswahl der richtigen MuHa, wenn man mit anderen zusammen musizieren will. Aber außer MuHa-Spielern kann niemand was damit anfangen. Das wird glaube ich auch in keiner Musikschule gelehrt oder in Lehrbüchern erwähnt - es sei denn, sie befassen sich mit der MuHa. Und diese wahrscheinlich auch erst seit neuerer Zeit.

Als ich mal diese Zeichnung mit den Modalen Skalen in einem Blockflötenforum reingestellt hatte, da war dann bis zum nächsten Tag eine viele Seiten lange heftige Diskussion entstanden mit den wildesten Spekulationen, was wohl mit diesen Positionen gemeint sein könnte. :shock:

Da hatte von den Flötern noch niemand jemals etwas von gehört. Da hatte ich nicht mit gerechnet. Ich hab das nur wegen dem Tonvorrat der verschiedenen Tonleitern gebracht und wollte die Jungs und Mädels nicht in ihrem Weltbild erschüttern. Seither steht da auch der Halbsatz "gezählt vom jeweiligen Grundton der Dur-Tonleiter" drunter. Und wenn ich es außerhalb der MuHa-Szene veröffentliche, kommt noch der Hinweis, daß das nur für MuHa-Spieler Bedeutung hat und von allen anderen ignoriert werden kann. :lol:


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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129464Beitrag Juke »

Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, nenne ich den Halbton unter C "H" und den Halbton über A "Bb". Das "B" gibt's bei mir nicht, wenn ich über Tonarten spreche.
Auf der Harp steht allerdings "B" für das "H" und "Bb" für das "B", das man aber natürlich auch "Hb" schreiben könnte. Oder "A#". Dann könnte man für das "B" (= "H") aber auch "Cb" schreiben. Alles klar? ;)

Schöne Grüße
Dirk


P.S. Wobei das mit dem A# und dem Cb auch nicht ganz korrekt ist. Aber das würde hier definitiv zu weit führen.
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JohannesF
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129498Beitrag JohannesF »

Hihoo Ihr Lieben,

Soderle. die Zeit vergeht und ich denke nur noch in Blues. Nene. so isses nich. Bin noch immer happy, dass das mit den Einzeltönen gut funktioniert. Scheine so langsam meine Lippenhaltung für die Harps gefunden zu haben. Einzeltonspielen per Tongue-Blocking klappt auf den Chromatischen sehr gut, und auch auf den Bluesharps ganz gut. Und auch das spielen mit spitzem Mund zeigt mehr und mehr Erfolg.

Beim so hin und her dudeln haben sich auch meine Gedanken wieder ein wenig sortiert und mir ist wieder ein wenig klar geworden, was ich (noch) nicht verstehe.

Habe mir ein Play-alongheft von Little Walter besorgt, eines für Countrysongs und so ein allgemeines mit 200 Songs, quer durch die Kulturen und Zeiten. Machen viel Spass. Allerdings habe ich erst mal die Haaare gerauft, als ich im Little Walter Heft die ganzen b's und Kreuze gesehen hab, und die vielen Tonarten. Oh shit....nono...dem Bending nähere ich mich ganz langsam, probiere es immer mal zwischendurch, irgendwann hab ich den Dreh raus. An Anleitungen und Tipps fehlt es ja im Inet und besonders hier im Forum net. Versuche ich alle zu lesen und umzusetzen, irgendwann platzt der Knoten.

Nun aber nochmal zu meinem Verständnis. Habe sehr viel Blues gehört und Versuche es mal klar zu kriegen. Bei den meisten Bluesstücken bestimmt der Protagonist die Lead-Stimme entweder durch Gesang oder durch die Harp. Fazit: Will ich Blues spielen muss ich Harp spielen können und auch singen können? In manchen Stücken wird nicht gesungen sondern die Leadstimme von der Harp gespielt, mit allen möglichen Improvisationen usw. Wenn dem so is....wird hier die Harp auch in anderen Positionen als in der ersten gespielt?

Bei anderen Stücken wird die Harp als Begleitung benutzt. Im Internet ist viel von 12-Bar-Blues die Rede eine Folge von 12 Takten, die praktisch als Begleitung zu jedem Blues (fast) gespielt werden kann, hier die Harp meist in Position 2.

Wie spielt Ihr "blues" mit der Harp (wenn Ihr Blues spielt ;-) ? Als Begleitung mit dem 12-Bar-Blues? Als Lead-Stimme alleine? oder gemischt mit Gesang? Oder wie sonst?

M erkwürdige Fragen, aber ohne deren Beantwortung bei mir eben nicht alles zusammenpasst.....und wenn dem nicht so ist, hab ich den Kopf nicht frei für das Wesentliche, also dem Harpspielen......

Hoffe Eure Laune wird, wie bei mir, bei diesem Wetter immer besser....

Schöne Grüße aus dem strahlenden Köln

JohannesF aus K.
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129499Beitrag triona »

Nur mal kurz vorne weg:
Singen können hilft immer, besonders zum Lernen von Melodien, Intervallen usw. Auch wenn du evtl mit deinen Sangeskünsten nie Bühnenreife erlangen wirst und das vlt gar nicht anstrebst. Aber zum Lernen, zur Schulung des Gehörs und zum Verständnis von Melodien noch bevor du sie mit der MuHa spielen kannst usw ist es immer nützlich. Durch Singen lassen sich auch Melodien einüben, wenn man keine Gelegenheit zum MuHa-Spielen hat, z.B. beim Autofahren, Radfahren, Wandern, usw, selbst in Bus und Bahn, wenn man denn nur leise für sich summt.

Deine besonderen Fragen zum Blues können dir besser andere hier beantworten, die mehr davon verstehen und mehr Praxis darin haben.


liebe grüße
triona
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129500Beitrag Juke »

"The harmonica is the mother of the band." sagte dereinst Otis Spann, der in der Band eines gewissen Muddy Waters die schwarzen und weißen Tasten am Piano bediente (meine Lieblingsnummer von ihm ist Half ain't been told.

Die Harp ist aufgrund ihrer klanglichen Nähe zur menschlichen Stimme natürlich in erster Linie ein Solo-Instrument. Und natürlich wird im Blues ohne Ende improvisiert. Kein Blues-Musiker spielt ein Stück zwei mal exakt gleich. (Ein schöne Beispiel dazu ist DIE Bluesharp-Nummer schlechthin, Juke von Little Walter. Jeder kennt diese Version, die 1952 die Charts stürmte. Vermutlich keine zehn Minuten später entstand diese Version, die damals nicht für die Veröffentlichung ausgewählt wurde. Und die Harp wird auch gerne als Begleitinstrument gespielt. Auf sehr vielen Aufnahmen von Muddy Waters z.B. hört man die Harp, die in den Gesangspausen kleine Fill-Ins spielt und bei weitem nicht in jedem Stück ihr Solo hat. Die Kunst hierbei ist, dem Sänger und der Geschichte, die er mit seinem Stück erzählt, den Raum zu lassen, damit die Geschichte auch beim Zuhörer ankommen kann. Auch hier hilft wieder: Hören, Hören, Hören!

Als Harpspieler muss man nicht unbedingt singen (können). Das (Mit-)Singen kann aber, wie Triona schreibt, das Verständnis für Rhythmus und Melodie verbessern, genau wie das (Mit-)Pfeifen. Einige Harpspieler (wie ich) singen nur, weil bei Sessions in der Regel der Sänger das Stück inklusive Tempo und Groove vorgibt. Will man auch mal sagen, was und wie von der Band gespielt werden soll, muss man eben notgedrungen singen.

Um die ganzen Kreuze und bs musst du dir keine Sorgen machen. Das übernimmt quasi die Harp für dich. In den Play Along Heften steht in der Regel bei jedem Stück die Tonart und die Tonart der verwendeten Harp. Juke z.B. ist in E und die verwendete Harp in A wird in der 2. Position gespielt, wie auch die meisten Blues-Stücke. (Das zeigt dir auch schnell ein Blick in die Musikdatenbank. Da steht bei den meisten Stücken eben 2. Position.)

Das 12-taktige Bluesschema ist eine Folge von Akkorden, die im Blues häufig vorkommt und die man "draufhaben" sollte - wenn man sie nicht automatisch verinnerlicht. Jeder Takt umfasst vier Schläge, man zählt 1 - 2 - 3 - 4 - 1 - 2 - 3 - 4 - usw. Immer bei "1" beginnt der nächste Takt. Die ersten vier Takte sind in der Grundtonart des Stücks (= Tonika), z.B. E. Dann folgen zwei Takte in der Tonart der Subdominante oder Quarte (das ist die Tonart, die im Quintenzirkel eins weiter links steht), bei der Grundtonart E ist das also A. Dann wieder zwei Takte in E, dann ein Takt in der Tonart der Dominante oder Quinte zur Grundtonart (im Quintenzirkel eins nach rechts), bei der Grundtonart E ist das also H in deutscher bzw. B in internationaler Schreibweise. Die letzten zwei Takte sind dann wieder in der Grundtonart E. Das sieht dann also folgendermaßen aus: E-E-E-E - A-A-E-E - H-A-E-E. Zu jedem Akkord passen bestimmte Töne und bestimmte andere Töne klingen unpassend. Das kann man beim Spielen in der Regel leicht hören.

Alles klar bis hierher? Wenn nicht: Weiter fragen!

Schöne Grüße
Dirk
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Adam_Lark
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129501Beitrag Adam_Lark »

Hi Johannes, jetzt mische ich mich auch mal ein. Ich weiß nicht, ob du das mit den Positionen richtig verstanden hast. Das wirkt oft sehr theoretisch und man kann es sicherlich aus der theoretisch aufziehen, aber im Prinzip ist es so: jede Position gibt dir Töne einer Tonleiter mit einem bestimmten Klang. Die erste Position z.B ist die Dur-Tonleiter in der gleichen Tonart wie die Mundharmonika selbst. Wenn du jetzt andere Positionen spielst, also eine C-Dur Mundharmonika für einen Song in G (zweite Position) oder D (dritte Position), sind das andere Tonleitern mit einem anderen Klang, und bendings geben die weitere Töne, die du nutzen kannst. So passen die Töne, die dir die zweite Position gibt, recht gut mit der Blues Tonleiter zusammen (geht übrigens mit ein wenig Aufpassen für dur und moll). Die dritte Position eignet sich z.B eher für Stücke in Moll. Um die erste Position bluesig klingen zu lassen, braucht es schon etwas Übung, weil man da sehr viel mit Bends arbeiten muss. Die brauchst du übrigens unbedingt für Blues, egal für welche Position. Das meiste, was ich schrieb, trifft übrigens auch auf andere Musik zu, nicht nur Blues. Wegen der anderen Tonverteilung spielt sich eine Chromatische übrigens für mich am einfachsten in 3. Position.
Und im Blues werden Einzeltöne genauso gespielt wie 2 oder mehr gleichzeitig und Triller, Warbles, tongue Slaps und was es sonst nicht alles gibt, vieles davon geht aber mit Tongue Blick am besten oder auch ausschließlich...
Mein Paradebeispiel vom Meister dazu ist immer der hier: https://youtu.be/FQfEZd9t5YU

Gruß

Adam
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129514Beitrag JohannesF »

Hihoo Ihr Lieben,

@Triona: also mit dem Singen is das so ne Sache....beim letzten Grillfeier meiner nicht kleinen Familie wurde ich auch aufgefordert zu singen. Nachdem ich mich dann dazu bereit erklärt habe etwas zum Besten zu geben, merkte ich nur einen heftigen Schlag an den Hinterkopf und eine Stimme schrie: "Nein, Du wirst nicht s....." und ich sah nur noch Sterne. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, hing ich kopfüber mit einem Seil wie ein Paket verschnürt an unserem Pflaumenbaum, den Mund mit Panzerband abgeklebt. Meine Familienbande tanzte fröhlich um das Grillfeuer und gröhlte zu den schlimmsten Popklängen....soviel zu meiner Sangeskunst.

Ernsthaft. Ich kann sogar ein wenig Singen, in meiner Jugendzeit habe ich in diversen Chören gesungen und auf der Skala der besten Unter-der-Dusche-Sänger steh ich ganz oben.

@Dirk: Vielen Dank für die Erklärungen, Musikbeispielen und vor allem für den Hinweis, dass die Harp auch ein Soloinstrument ist, und in Position 1 gespielt wird. Daran kamen bei mir schon leichte Zweifel auf.
Das mit den Kreuzen und b's is so ne Sache, da steh ich noch mit auf Kriegsfuss. Da muss ich mich noch intensiver mit beschäftigen.
Jau, das 12-Takt-Bluesschema hab ich begriffen, und werde es fleissig üben. Ich denke da stellt sich mit der Zeit dann auch ein Automatismus ein, kommt von alleine.

@Adam: Vielen Dank für deinen Hinweis. Vielleicht kommt das ein wenig theoretisch an, was ich hier so schreibe, is aber nur bedingt so. Das ist bei mir oft so, dass ich irgendwelche Dinge erst mal theoretisch kapieren muss bevor ich es dann praktisch umsetzen kann. Frei spielen kann ich nur mit freiem Kopf, dafür muss ich das eben theoretisch kapieren.
Jetzt mal zu den Tonleitern. Die "normale" C-Dur Tonleiter "benutze" ich dann, wenn ich die 1. Position spielen (heisst die Melodie oder Lead-Stimme). Spiele ich die oder eine Begleitung spiele ich eine andere Position (also 2. oder 3. usw.) und benutze die dementsprechende Harp (Tonart) laut Quintenzirkel. Hierbei orientiere ("benutze") ich mich an der zur Tonart gehörigen Blues-Tonleiter. Beim "Improvisieren" sollte ich mich an den Noten der Bluestonleiter orientieren (diese klingen dann richtig).

Oje, hört sich das wieder theoretisch an. Aber bis vorgestern wusste ich nicht mal, dass es eine Bluestonleiter gibt.

Dass das Bending unumgänglich ist ist mir klar. Aber das dauert eben bis ich das draufhabe. Ich bin sicher, dass das irgendwann sogar mitten in der Übungsstunde klick macht und es geht. Momentan umschiffe ich das vielleicht ein wenig, weil ich meistens die Chromatische spiele.

Und die anderen Feinheiten.....hilfe....ich spiele erst seit ein paar Wochen.....und dann haust Du mir solch einen Profikram um die Ohren.....da reden wir in ein paar Monaten mal drüber ;-)

Muss einfach nochmal sagen, dass ich es toll finde, wie Ihr Euch Mühe gebt mir zu helfen und etwas beizubringen, und es klappt.

Also jetzt werden Tonleitern rauf und runter geübt und vielleicht klappt ja der ein oder andere Ton mit Bending und nicht mit Schieber.....

Schöne Grüße aus dem heute sehr schwülen und gewittrigem Köln.

JohannesF aus K.
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129515Beitrag Juke »

JohannesF hat geschrieben: 07.06.2023, 18:36... und in Position 1 gespielt wird. Daran kamen bei mir schon leichte Zweifel auf.
NEIN! Blues wird nur selten in der 1. Positon gespielt. Die Harp wird im Blues überwiegend in der 2. POSITION gespielt.

Das jetzt auf die Schnelle vorab. Ich erklär das gleich noch ausführlicher.

Schöne Grüße
Dirk
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JohannesF
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129516Beitrag JohannesF »

Auch wenn ich die Leadstimme spiele? Also durchgehend kein Gesang, sondern nur harp?
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Re: Der Anfänger lässt das Fragen nicht.

Beitrag: # 129517Beitrag Juke »

Ja. (Da kommt gleich noch mehr dazu ...)

Schöne Grüße
Dirk
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