Schieberstimmung

Themen für Spielanfänger, Geschichte verschiedener Mundharmonikas und alles, was sonst nirgendwo passt.

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Dreiphasenkasper
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Schieberstimmung

Beitrag: # 127280Beitrag Dreiphasenkasper »

Glück Auf,

neulich als ich mal wieder ein paar Blueslicks betrachtete kam eine Frage hoch die ich mit euch mal bereden wollte.

Fast in allen Bluesnoten sind die Halbtöne mit b anstatt # notiert also alle erniedrigt und nicht erhöht.

Nun ists auf der Chrom so das ich die Noten mit dem Schieber grundsätzlich erhöhe.

Ist jetzt kein Hexenwerk das umzudenken aber manchmal denk ich mir es wär praktischer man senkt die Note um einen Halbton beim Schieberdruck.

Oder tun sich dann andere Probleme auf?

Was meint ihr?
Juke
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Re: Schieberstimmung

Beitrag: # 127281Beitrag Juke »

Für einen Blues-Harmonikaspieler stellt das in der Regel kein Problem dar, denn kaum ein Bluesmusiker spielt nach Noten.

Ich spiele die Chrom fast ausschließlich in der 3. Position (die C-Chrom in D bzw. d-moll, die F-Chrom in G bzw. g-moll, usw.) und nur nach Gehör.
Und ansonsten gilt das, was immer gilt: intensives Üben kann dazu führen, dass die richtigen Töne zur richtigen Zeit in der richtigen Art und Weise erklingen. ;)
Beim Erlernen des Spielens nach Noten gibt es - meiner Ansicht nach - drei Stufen:
1. Stufe - man kann die Noten lesen und weiß, wie man mit dem Instrument den richtigen Ton spielt
2. Stufe - man kann ein (bis dahin noch nicht erlerntes) notiertes Stück flüssig korrekt spielen ("vom Blatt")
3. Stufe - man kann die Musik lesen und "hört" sie dabei im Kopf, ohne ein Musikinstrument zu benutzen
Alles natürlich fließend ineinander übergehend und mit entsprechenden Abstufungen.

Schöne Grüße
Dirk
Ich spiele beide Sorten Musik: Chicago- und West Coast Blues! 8)
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triona
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Re: Schieberstimmung

Beitrag: # 127285Beitrag triona »

Dreiphasenkasper hat geschrieben: 28.07.2022, 08:25 Fast in allen Bluesnoten sind die Halbtöne mit b anstatt # notiert also alle erniedrigt und nicht erhöht.
Das kommt wahrscheinl da her, daß Bluesnoten vorwiegend von Bläsern benutzt werden (Blech + Holz), insbesonders auch vom Bigbands mit ausführlichen Arrangements mit umfangreichen Partituren, und vor allem von professionellen Studiomusikern, die vorwiegend vom Blatt spielen. Und die sind dies gewohnt, sowohl die b-s als auch das Transponieren im Kopf. Diese Instrumente sind nämlich meistens in einer b-Tonart gestimmt (Bb, Eb, Ab, bisweilen auch Db, Gb oder F oder ein entsprechendes Moll). Und da werden sie wohl auch meistens in einer dieser Tonarten arrangiert.

Aber irgendwann hast du das "Umschlüsseln" der Noten mit Vorzeichen (= énantonische Transposition) mal automatisch drauf. D.h., wenn du z.B. ein Gb liest, dann spielst du automatisch ein F#, wie du es gewohnt bist. Solange wie du es noch nicht drauf hast und Transponieren im Kopf noch üben mußt, kannst du die ja die Noten umschreiben von b nach #.

Und wer es braucht (du wahrscheinl eher nicht ;)) kann sich ja noch diese hier holen:
https://www.seydel1847.de/epages/Seydel ... cts/52485C
Kostet halt 'nen Zwanziger mehr als eine in Standardstimmung. Aber wer sich sowieso eine Konfigurierte zulegen will ... Als Deluxe Steel ist sie deutlich günstiger, aber in dieser Stimmung immer eine Konfigurierte, was dann einen Aufpreis von 30€ gegenüber der Standardstimmung ergibt.

Warum die "irisch" heißt, weiß ich allerdings auch nicht. Irische Volksmusik ist nämlich vorwiegend in G und D - wegen der Geigen. Aber vlt hat das etwas zu tun mit der Art, wie von den Geigen und Flöten (diatonische Whistles) die Triller, Slides, Taps, Cuts u.a. Verzierungen gespielt werden.

Müßte ich mir mal bewußt ansehen und beim Hören drauf achten. Ich spiele sowas ja auch oft und gerne. Aber aufgefallen ist mir das bislang noch nicht. Aber meistens spiele ich das auch auf einer Diatonischen - egal ob Richter, Paddy, Solo, DoIt o.a. Stimmung, und fast ausschließlich nach Gehör. Und bei Brendans Slide Diatonic wird durch den Schieber um 1 Ganzton erhöht.

Wenn die Sachen im Original für diatonische Harfe (Clarsach) geschrieben worden sind (z.B. O'Carolan), dann sind sie allerdings meistens eher in Eb. Bei Dudelsack sind dann nochmal andere Tonarten vorherrschend - vor allem in Schottland. Aber das würde jetzt zu weit führen.


liebe grüße
triona
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Carlito
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Re: Schieberstimmung

Beitrag: # 127297Beitrag Carlito »

>mir es wär praktischer man senkt die Note um einen Halbton beim Schieberdruck<

Ich denke, das lässt sich ganz einfach erreichen, indem man den Schieber verkehrt einbaut (um die Längsachse gedreht, also Vorderseite nach hinten). Hab es eben mit einer Hohner CX12 ausprobiert, es geht.
Je nach Konstruktion der Mundharmonika kann etwas Bastelei notwendig sein. Am einfachsten geht es vielleicht bei der Seydel Symphony 48, deren Schieber symmetrisch ist, so dass es möglich sein sollte, ihn verkehrt herum einzubauen (ist mir glaubich schon mal versehentlich passiert, ich hab mich gewundert, weshalb die Mundharmonika spinnt).
triona
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Re: Schieberstimmung

Beitrag: # 127298Beitrag triona »

Das ist natürlich die einfachste Lösung. Aber bei manchen MuHas ist eine zusätzliche Bohrung im Schieber erforderlich (Z.B. manche Suzuki-Modelle), weil die Feder nicht in der Mitte liegt.

Bei der CX-12 geht das am einfachsten: Einfach Schieber raus, Knopf abziehen, Schieber rumdrehen, Knopf wieder aufstecken, Schieber wieder rein - fertig. Dauert keine 2 Minuten. Braucht man nicht einmal ein Werkzeug. Auch kann die Feder nicht unkontrolliert wegspringen, weil sie bei dem ganzen Vorgang offen und sichbar fest am Knopf verbleibt. Könnte man ohne weiteres auch zwischen 2 Stücken während eines Konzertvortrags machen, ohne daß es irgendwie dumm auffällt oder stört.

Ich nutze das bisweilen, wenn ich die MuHa mit C# als Grundtonart spielen will bzw mit G#/Ab usw, je nach Grundtonart der MuHa. Das Augenmerk liegt da bei mir aber eher auf Verkleinerung der Anzahl der Schieberbewegungen beim Spielen von Stücken in Tonarten mit vielen b oder #.
Carlito hat geschrieben: 30.07.2022, 07:01 (ist mir glaubich schon mal versehentlich passiert, ich hab mich gewundert, weshalb die Mundharmonika spinnt).
Zu beachten ist hierbei allerdings, daß sich auch das Anordnungsschema der Tondoppelungen ändert. Das müßte ich aber auch erst mal genauer untersuchen. Ich mach das normalerweise immer intuitiv nach Gehör. Ich spiele die Chrom nämlich auch gerne ähnlich wie eine Diatonische. Den Schieber nutze ich dabei vorwiegend zur Erzeugung von Trillern, Cuts, Taps, Slaps, Schiebervibrato, Schreddern u.a. Verzierungen. Dies ist allerdings unabhängig von der Stellung des Schiebers (aufwärts oder abwärts, C oder C#).

Brendan Power hat diese Spielweise umgesetzt bei seiner "Slide Diatonic". Da bewirkt der Schieber eine Veränderung von einem Ganzton anstelle eines Halbtons, wie es bei der herkömmlichen Chrom ist. Da bleibt man auch bei der Nutzung des Schiebers immer in der selben Tonart. Er hat diese Stimmung insbesonders entwickelt für das Spielen von Volksmusikstilen, wo die o.g. Verzierungstechniken besonders häufig vorkommen, wie z.B. in der irischen oder schottischen Volksmusik o.ä.


liebe grüße
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