DAS Original

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Juke
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DAS Original

Beitrag von Juke » 29.05.2019, 21:06

Ein etwas vorzeitiges Geburtstagsgeschenk brachte der Paketbote heute:
In der Bucht fand ich Little Walters "Juke"/"Can't Hold On Much Longer" als originale 78er Schellack-Scheibe von 1952. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen!
Nach rund eineinhalb Wochen Reise kam das Päckchen heute in perfektem Zustand an. Die Scheibe selbst ist vom Zustand her okay, möchte aber noch gründlich gereinigt werden. Beim ersten Abspielen rauschte und knisterte es doch noch arg. Was dann durch die Nebengeräusche hindurch zu hören war, überraschte mich durch eine erstaunliche Klangfülle. Ich bin gespannt, was ich klangtechnisch aus der alten Scheibe noch herausholen kann.
Nach dem gründlichen Reinigen und Digitalisieren möchte ich die Platte rahmen und aufhängen.
Ich freu mich! :-D :-D :-D :-D :-D

Schöne Grüße
Dirk
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triona
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Re: DAS Original

Beitrag von triona » 30.05.2019, 01:03

Herzlichen Glückwunsch!
Wo kam die denn her? US oder UK?

Ich habe zwar selber nicht diesen Originaltonträger-Fetisch. Mir reicht ja eine neuzeitliche CD oder notfalls auch eine heruntergeladene Datei, wenn die Tonqualität für meine Ohren hinreichend ist. (Du willst sie zum Anhören ja auch digitalisieren.) Aber wenn du schon so heißt, und da das wohl dein identifikationsstiftendes Lieblingslied ist, bedeutet diese Scheibe für dich natürlich bedeutend mehr als für die meisten anderen.


Noch 'ne kurze Frage zum Digitalisieren: Dadurch schont man zwar den kostbaren und ggf auch teuren oder unersetzlichen Originaltonträger. Aber mindert man dabei nicht auch die Klangqualität? Jeder Kopiervorgang müßte doch eigentlich Qualitätseinbußen bringen. Oder werden diese Verluste wieder wett gemacht durch die Möglichkeit der digitalen Nachbearbeitung wie Knister-, Knack- und Rauschunterdrückung?

Kann man sich da nicht besser gleich eine neuzeitliche und industriell (digital) nachbearbeitete Neuveröffentlichung nehmen? Vor allem, wo für diese sogar noch oft Original-Masteraufnahmen verwendet werden, so denn noch welche vorhanden sind.

Oder ist das "geäuberte" und künstlich "veredelte" Klangbild - möglicherweise vom Herausgeber gewollt - so weit vom Originalklang entfernt, daß man den wahren Originalklang nur hören kann, wenn er von Originaltonträgern mit Original-Wiedergabetechnik abgespielt wird?


liebe grüße
triona
Dess daacht doch alles nischt, dess naimodisch Zaich.
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Ich hab nur einmal ganz kurz auf die Maus geklickt - ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Meine Nachbarn hören Mundharmonika - ob sie wollen oder nicht.

harp-addicted
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Re: DAS Original

Beitrag von harp-addicted » 30.05.2019, 08:48

Juke hat geschrieben:
29.05.2019, 21:06
In der Bucht fand ich Little Walters "Juke"/"Can't Hold On Much Longer" als originale 78er Schellack-Scheibe von 1952....
Nach dem gründlichen Reinigen und Digitalisieren möchte ich die Platte rahmen und aufhängen.
Ich würde das einem professionellen Reiniger überlassen.
Zum Abspielen einer Schellack-Platte braucht man eigentlich ein spezielles Tonabnehmersystem.
Glückwunsch zur Platte und dass Dein Plattenspieler noch 78 Upm kann.

Juke
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Re: DAS Original

Beitrag von Juke » 30.05.2019, 09:11

In der Tat, Juke hat für mich eine enorm hohe Bedeutung. Angefangen mit dem Harpspiel habe ich zwar noch bevor ich zu ersten Mal Juke gehört habe. Irgendwo habe ich ja geschrieben, dass ein Konzertbesuch beim "Dritten Ohr" (mit Udo Wolff an der Harp) die Initialzündung war. Aber als ich zum allerersten Mal Juke hörte, war ich dermaßen fasziniert, dass ich fortan jedes Mal, wenn ich eine Harp in die Hand nahm, versuchte dieses Stück zu spielen. Anfangs waren da jede Menge unüberwindbare Hürden drin, wie z.B. der Ganzton-Bend auf 2 Ziehen. Mit der Zeit und durch Hinweise (v.a. von Dieter Kropp) kam ich der Sache langsam aber sicher näher. Inzwischen traue ich mich, Juke öffentlich und vor Leuten zu spielen. :)

Die Frage der Tonqualität beim Digitalisieren lässt sich nicht pauschal beantworten. Als das Medium CD 1983 auf den Markt kam, wurden viele existierende Aufnahmen digital überspielt. Da ging es oft nur darum, die Musik auf dem neuen Medium verfügbar zu machen. Oftmals wurden nicht mal die ursprünglichen Mastertapes für die Digitalisierung verwendet sondern irgendwelche Kopien der Tapes. Die Hauptsache war, es rauschte nicht. Entsprechend gab es da viele CDs, die in ihrer Klangqualität deutlich hinter der Schallplatte zurück blieben. Damals hing es tatsächlich von der einzelnen Aufnahme ab, ob die CD besser klang als die LP, ob die LP besser klang oder ob - auch auf einer guten Anlage - so gut wie kein Unterschied zu hören war. Ich habe Beispiele für alle drei Varianten. Erst ab etwa Mitte der 90er Jahre fing man an, die Aufnahmen beim Überspielen auf CD zu "remastern" und dabei möglichst hochwertige Ursprungsaufnahmen zu verwenden, nachdem zuvor ein paar Label wie die MFSL (Mobile Fidelity Sound Laboratories - die bereits LPs z.B. durch die Halfspeed-Technik veredelt hatten) klanglich aufpolierte Versionen bekannter Aufnahmen produzierten und zu erhöhten Preisen an HiFi-Freaks verkaufen konnten.

Juke wurde aufgrund seiner Bedeutung als erster Nummer 1-Hit für Chess-Records für den neu aufkommenden Markt der CD relativ früh digitalisiert. Wenn ich mich nicht irre (da muss ich den Film Cadillac Records noch mal sehen), wurde Juke 1952 nur auf 78er-Matrize geschnitten und nicht parallel auf Band aufgenommen, so dass die Schellack-Platte tatsächlich das ursprünglichste Medium ist. Für die Produktion von Schallplatten wurde Juke natürlich auf Tonband überspielt. Sehr wahrscheinlich hat man für die Digitalisierung diese Bänder genommen und nicht auf die alte 78er Version zurück gegriffen. Welcher Aufwand betrieben wurde, um bei der Digitalisierung die maximal mögliche Tonqualität zu erzielen, weiß ich nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Aufwand nicht allzu hoch war. Nach dem Motto: Für so eine alte 78er reicht's. Mit Sicherheit wurde das Band z.B. mit einer Auflösung von 16 Bit und mit 44100 Hertz Samplingrate digitalisiert, was dem Format der CD entspricht. Inzwischen werden Tonaufnahmen mit deutlich höherer Rate und Tiefe aufgenommen und abgemischt, meist mit 24 Bit und 96 oder sogar 192 kHz. Den Unterschied hört man deutlich, wenn man eine solche HiRes-Aufnahme mit einer normalen CD vergleicht. Das ist wie der Unterschied zwischen einem Foto mit 640x 4 80 Pixeln und einem Foto mit 20 Megapixeln. Man erkennt nicht nur viel mehr Details, bei Tonaufnahmen bekommt das Ohr viel mehr Informationen auch zum Raum usw.

Bei mir zu Hause habe ich einen Plattenspieler, der auch 78er in einer ordentlichen Qualität wiedergeben kann. Mit dem verwendeten Tonabnehmersystem bekomme ich schon mal die Information, die in der Rille steckt, vernünftig ausgelesen. Und dann kann ich das Signal mit 24 Bit und 96 kHz digitalisieren. Die entstehende Datei ist also um einiges reicher an Informationen als die 16 Bit 44,1 kHz Aufnahme der CD. Wie "meine" Überspielung dann klingt, hängt natürlich zuerst davon ab, wie gut mein Exemplar der Schellack-Platte ist. Verbliebenes Knistern und Knackser kann ich anschließend software-technisch entfernen, wobei das Entfernen von Hintergrundrauschen in der Regel mit einer Klangeinbuße verbunden ist. Da gilt es abzuwägen. Auf jeden Fall wird es spannend. Ich werde berichten.

Und natürlich habe ich von Little Walters Juke mehrere Ausgaben, sowohl auf LP als auch auf CD. Und nun halt auch die Originalausgabe auf 78er. :-D

Schöne Grüße
Dirk
Zuletzt geändert von Juke am 30.05.2019, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DAS Original

Beitrag von Juke » 30.05.2019, 09:17

Für meinen Technics (2018er Neuausgabe vom SL 1200) habe ich ein Ortofon 2M 78, das eine entsprechende Nadel hat und für die Abtastung von 78ern optimiert ist. Für Schallplatten mit Mikrorille habe ich ein 2M Bronze. Die beiden haben dasselbe Gewicht und dieselbe Geometrie, so dass ich am Tonarm nichts neu einstellen muss.

Die Platte reinige ich lieber selber. Erstmal wird sie in lauwarmem Spülwasser eingeweicht und vorgereinigt, bevor ich sie mit der Plattenwaschmaschine noch mal gründlich tiefenreinige. Natürlich nicht mit alkoholhaltigem Reiniger!

Schöne Grüße
Dirk
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Re: DAS Original

Beitrag von harp-addicted » 30.05.2019, 09:58

Juke hat geschrieben:
30.05.2019, 09:17
Die Platte reinige ich lieber selber. Erstmal wird sie in lauwarmem Spülwasser eingeweicht und vorgereinigt, bevor ich sie mit der Plattenwaschmaschine noch mal gründlich tiefenreinige. Natürlich nicht mit alkoholhaltigem Reiniger!
No risk, no fun :-D (das Label...)

Von remasterten CDs habe ich sehr unterschiedliche Resultate im Schrank.
Schlimm, wenn das Ergebnis einen "aktuellen" Sound bekommt oder der Tonmensch mein sich künstlerisch verwirklichen zu müssen.

Ich bestelle mir seit Jahren den Blues-Kalender bei Bear Family https://www.bear-family.de/kalender-calendar-2019.html
Da gibt es als Zugabe eine CD mit remasterten 78er Platten. Was die da aus den Originalen heraus holen, ist wirklich bemerkenswert.
Siehe auch http://www.tefteller.com/ Der Mann leistet sich schon mal ne Platte für 37.000$ :shock:

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Re: DAS Original

Beitrag von Juke » 30.05.2019, 11:44

Das Label bleib natürlich schön trocken.

Allerdings hat das Reinigen trotz intensivem Bearbeiten mit Spülmittel und Mikrofasertuch sowie Plattenreinigungsbürste (mit der sonst die Reinigungsflüssigkeit in den Mikrorillen von LPs verteilt wird) und Absaugen mit der Plattenwaschmaschine nicht wirklich viel gebracht. Mein Exemplar von Juke scheint in den letzten gut 65 Jahren doch zu oft abgespielt worden zu sein ...
Ist halt nicht nur Staub, was so einer Platte auf Dauer zusetzt.

Mal schauen, was die Restauration per Software noch so bringt. Wird aufwendig. Auf jeden Fall habe ich den Ist-Zustand schon mal dauerhaft gesichert.

Schöne Grüße
Dirk
Zuletzt geändert von Juke am 30.05.2019, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DAS Original

Beitrag von Juke » 30.05.2019, 13:38

Nach der Reinigung:
Bild

Schöne Grüße
Dirk
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Re: DAS Original

Beitrag von UNI » 30.05.2019, 15:10

Hallo Dirk,
auch meinen Glückwunsch zu Deinem Neuzugang. Die Platte dürfte für Dich an Bedeutung in etwa so hoch sein, wie für mich ein Original-Lokomotiv-Nummernschild. Da gibt es dann die besonders extremen Sammler, wo das Schild noch "Original-Verschmutzt" sein muß, für Fälscher natürlich kein Problem so eine Patina aufzubringen. Aber zurück zu Deiner Platte. Weißt Du, wie hoch die Auflage 1952 war und wieviele davon noch existieren ?
Gruß & Blues aus Thüringen
von
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Re: DAS Original

Beitrag von Juke » 30.05.2019, 16:20

Nachtrag:
Juke wurde parallel auch als 45er-Single produziert. Die Auflagenhöhe weiß ich im Moment nicht, finde ich vielleicht noch heraus.

Ich habe die Platte übrigens von einem Sammler aus der Nähe von Cincinnati (Ohio/USA) bekommen. Der Gute versucht die Platte noch einmal in besserem Zustand für mich aufzutreiben. Bin gespannt, was für ein wirklich gut erhaltenes Exemplar so aufgerufen wird, ich hoffe weniger als 37000 $ ... Andererseits fällt mir das "Nein" bei einem solchen Preis erheblich leichter. ;)
Die jetzt erworbene Scheibe war von Anfang an zum Rahmen und Aufhängen bestimmt. Dass sie vom Sound her nicht ganz überzeugen kann ;), ist also nicht tragisch.

Schöne Grüße
Dirk
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munkamonka
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Re: DAS Original

Beitrag von munkamonka » 30.05.2019, 17:39

spiel doch mal ein soundbeispiel ein...
... meiner meinung nach

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