Hohner Camping

Mundharmonikas in jeglichen Varianten und Stimmungen: Bluesharps, Chromatische, Tremolo, Oktav, Bass, ... alles.

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Adam_Lark
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Hohner Camping

Beitrag von Adam_Lark » 29.09.2018, 19:18

Hallo zusammen,

mein Nachbar hat mich heute gefragt, was wohl eine Mundharmonika, die er seit längerem hat (aber nicht spielt), wert ist. Es ist eine Hohner Camping (steht zumindest drauf). Ich spiele nur diatonische und kenne mich da gar nicht aus. Ich kann nur sagen, dass sie nicht verstimmt klang, als ich kurz reingepustet habe. Kann mir da jemand was zu sagen oder hat sogar Interesse?

Bild

Gruß

Adam
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triona
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Re: Hohner Camping

Beitrag von triona » 30.09.2018, 01:13

Sammlerwert.

Der gebogenen Form nach könnte es eine Wiener Oktav sein, oder auch eine Wiener Schwebeton (Tremolo). Wenn sie zwischen den Oktav- oder Tremolotönen (zwischen den beiden Stimmplatten) einen waagerechten Trennsteg hat, ist das auch so. Ob Oktav oder Tremolo, das hörst du, wenn du reinbläst. Wobei diese auch diatonische MuHas wären, meist Richter, bisweilen Solo, oder eine Mischung davon.

Ich würde nicht mehr als 10 € dafür geben, wenn es denn eine Oktav wäre und keine Tremolo (als Spielerin und Nicht-Sammlerin) - und das auch erst, wenn ich mal reingeblasen hätte (relativer Luftverbrauch). Da das Ding recht selten zu sein scheint, könnte der Sammlerwert vlt auch bisserl höher sein, im Ausnahmefall sogar durchaus deutlich höher. Sieht ja noch recht gut erhalten aus, und auch noch in anscheinend recht gut erhaltener Originalverpackung. Evtl auf Ebay gegen Gebot unter Mindestpreis versuchen - oder wie das auch immer heißt? Ich kenn mich mit diesem Ebay-Kram nicht so sehr aus.


liebe grüße
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Re: Hohner Camping

Beitrag von DieterM » 30.09.2018, 16:26

Hallo Adam,

10 bis höchstenfalls 20 Euronen
beste Grüsse
von

Dieter

Adam_Lark
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Re: Hohner Camping

Beitrag von Adam_Lark » 01.10.2018, 20:00

Danke für die Antworten, scheint eine Oktav-Mundharmonika zu sein. Nun habe ich beim Anspielen gemerkt, dass das gar nicht so uninteressant ist, wer hätte das gedacht? Werde sie meinem Nachbarn also selbst abkaufen und mal schauen, was ich damit anfangen kann.

Grüße

Adam
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Re: Hohner Camping

Beitrag von triona » 01.10.2018, 20:49

Du bist doch auch in Dollnstein?
Da kann ich dir gleich noch ein paar andere Sachen zeigen, die du damit auch noch machen kannst. Bring sie mit.

Ich vermute mal, daß sie den waagerechten Trennsteg im Kamm zwischen der oberen und unteren Stimmplatte hat (= Wiener Oktav). Dann wäre vermutlich das hier die Tonbelegung:

Bild

Die obere Stimmplatte klingt eine Oktave tiefer als notiert.

aus : Helmuth Herold, HOHNER-Spielanleitung für diatonische Mundharmonikas mit Wiener Oktav- oder Schwebeton-Stimmung, Hohner Verlag, Mainz, 1984;
Änderung der Tonbezeichnungen in internationales Format von mir



liebe grüße
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Re: Hohner Camping

Beitrag von Adam_Lark » 01.10.2018, 21:21

Danke für die Tonbelegung! hatte ich heute gegoogelt und auf die Schnelle nichts gefunden. Werde ich die Tage mal checken. Und in Dollnstein können wir mal ausführlicher drüber schnacken...

Gruß

Adam
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Re: Hohner Camping

Beitrag von Adam_Lark » 15.10.2018, 05:35

So, habe das Ding mal gesäubert und wieder halbwegs flott gemacht (2 Stimmzungen waren etwas angelaufen und haben geklemmt). Die hohen Stimmzungen in der obere Oktave sprechen noch etwas schwer an, aber abgesehen davon gehts. Die Tonbelegung ist jedoch etwas anders. Die Tonart ist C, der tiefste Ton ist ein E, also wie bei der 32-stimmigen, insgesamt gibt es aber 40 Zungen, also mit E auch wieder als höchstem Ton. Bin mal gespannt, was du mir damit in Dollnstein vorspielst, Triona...

Gruß

Adam
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Re: Hohner Camping

Beitrag von triona » 11.11.2018, 19:32

Kommst du jetzt zurecht damit?
Und hast du was gefunden, was dir Spaß damit macht?

Hier noch eine kurze Geschichte, wie Hohner immer wieder aktuelle gesellschaftliche Erscheinungen zur Vermarktung seiner MuHas genutzt hat, am Beispiel der "Camping":

Bild

aus: Martin Häffner; Harmonicas - die Geschichte der Branche in Bildern und Texten; Trossingen und Oberndorf, 1991


Und hier noch ein - wie ich finde - sehr gelungenes Beispiel, wie man eine Muha dieser Bauart mit diesem Stimmsystem (in diesem Fall Hohner "Unserer Lieblinge") auch für Blues einsetzen kann:

https://www.youtube.com/watch?v=fQjq8hi6kC4

Ich glaube, den Spieler brauche ich hier nicht mehr vorstellen. :lol:
Wobei dies nicht unbedingt das typische Einsatzgebiet dieser MuHa darstellt. Ich selber spiele damit ja eher deutsche, mittel-, ost- und südeuropäische Volksmusik und experimentiere auch mit diesem mehrstimmigen Dudelsack-Klang wie in Dollnstein gezeigt.

Hier ein Beispiel aus Italien auf einer "Unsere Lieblinge",
gespielt von Davide Speranza,
am Anfang und ab 2:07 die Bordun-Simulation
https://www.youtube.com/watch?v=KCDdp4dcsJQ

Der typische Klang der italienischen Volksmusik, in der sehr häufig Dudelsäcke, Bordunflöten und Leiern gespielt werden und auch öfters chörisch gesungene Bordune vorkommen, ist hier unverkennbar.

Auch für Cajun ist sie sehr gut geeignet, wobei da eine in G zu bevorzugen wäre.
Zu spielen wäre damit die Handharmonika-Stimme.
Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=f92Xg1J22nE

Oder Versuch dich mal mit der Handharmonika-Stimme von diesem hier:
https://www.youtube.com/watch?v=twe2iAFMYdA
Vom Klang her geht das auf so einer Oktav-MuHa sehr gut.
Die Tonart der Aufnahme dürfte allerdings auch eher G sein bzw ein entsprechendes damit spielbares Moll. Zumindest komm ich da (nach Ohr) mit einer G am Besten mit. Ließe sich aber sicher auch transponieren.


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Re: Hohner Camping

Beitrag von Adam_Lark » 11.11.2018, 20:08

Schon interessant, was du so alles ausgräbst! Vom Spiel her reizt mich am meisten, was Markus da macht. Ich denke aber, ein paar Bendings könnte man ab und zu einbauen. An der Bordun-Geschichte werde ich mich auf jeden Fall auch mal probieren. Danke! :-D

Adam
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Re: Hohner Camping

Beitrag von triona » 11.11.2018, 22:20

Glück auf!
Tief graben ist meine Spezialität. :-D
Schließlich ist das hier eine alte Bergbaugegend.


Die Oktave wirst du wohl kaum gebendet kriegen. Die Einzeltöne hingegen lassen sich hingegen recht gut biegen, und auch recht weit, sowohl auf Zug, als auch auf Blasen. Wobei es bei meiner Club Steel (auch Wiener Oktav) und meinen Concertos (Knittlinger Oktav) von Seydel wesentlich leichter und sauberer geht, als bei meiner "Unsere Lieblinge" oder meinen alten (abgespielten) Contessas (auch Hohner, Wiener Oktav). Letzteres könnte auch auf deine Camping zutreffen, so wie ich die in Erinnerung habe von dem kurzen Anspiel.

Diese getrennten Kanäle sind halt nicht wirklich optimal dafür. Ist aber durchaus eine Herausforderung. Je öfter ich das Versuche, desto besser geht es. Nicht bei allen Tönen gleich gut. Manchmal sogar bei der Oktave. Aber da nur sehr unsauber. Es ist ziemlich schwierig, die Mund- und Rachenstellung passend hin zu kriegen für das saubere Biegen von 2 Tönen gleichzeitig, wenn diese in zwei getrennten Kanälen liegen - falls das überhaupt geht. "Echtes" - d.h. interaktives Benden geht sowieso nicht mit nur 1 Stimmzunge je Kanal.


Wenn dich das mit dem Bordunspiel interessiert, dann schick mir eine PN mit deiner Emailanschrift. Dann schick ich dir einen Entwurf eines längeren Aufsatzes darüber. (Da der noch nicht fertig ist, gibts den vorab nur privat. Veröffentlicht wird er erst, wenn er fertig ist.) Das mit dem privaten Vorabversand gilt auch für andere, die das vlt interessiert. Vlt können so ja auch noch Kritiken, Berichtigungen und Verbesserungen einfließen. Bis es fertig ist, dauert es noch bisserl.


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