Umbau genagelt auf geschraubt - wer macht´s?

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HarpHolger
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Umbau genagelt auf geschraubt - wer macht´s?

Beitrag von HarpHolger » 12.08.2014, 18:31

Hallo miteinander,

wie Mario bin ich mittlerweile soweit ausgestattet, dass ich Marine Band Classics von genagelt auf geschraubt umbauen werde.

Ich finde die MB Classic schon immer irgendwie klasse und mit dieser Option wird das Instrument noch attraktiver.

Ich wollte mal bei Euch erfragen, wer hier im Forum auch umbaut und welche Erfahrungen Ihr damit gemacht habt?

Freue mich auf Eure Antworten.

VG

Euer Harpholger

Gabriel
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Beitrag von Gabriel » 12.08.2014, 20:40

Hallo Holger.

Habe einige umgebaut,ohne großes. Handwerkliches Geschick.Ich habe einfach
die Nagel Löcher mit der Bohrmaschine
aufgebohrt,die Deckel nach hinten geöffnet
nach Co Art Deckel drauf und fertig
keine Ahnung ob das hilft,Aber es ist eigentlich ja keine grosse Sache,alle spielen
noch!

Gruß. Bernd
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udo
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Beitrag von udo » 12.08.2014, 20:48

Hallo Holger,

bei meinen Harps sind 4 umgebaute MBCL. Zwei sind noch aus der alten Serie mit den schwarz lackierten Seiten.

Was mir besonders Laune am Umbau macht, ist das gute Gefühl mein Instrument selbst einstellen und warten zu können.

Die MBCL gefällt mir klanglich sehr, mit dem Umbau wird sie auch langlebiger, denn er ist ja auch die Voraussetzung für einen eventuellen Zungenwechsel. (Habe ich allerdings noch nicht machen müssen)

Auch wenn die Harps dann geschraubt sind, nehme ich zum gelegentlichen Reinigen und Nachjustieren eigentlich fast immer nur die Deckel ab. So bleiben die Harps auch dichter, denn die getrocknete Spucke ist ein gutes Dichtmittel :-D

Als Schrauben verbaue ich 10 mm lange 2M mit Zylinderschlitz, denn dafür findet sich immer ein passender Schraubendreher, und ich finde sie auch optisch passender. Messing sieht super aus, ist aber etwas weich...

Da die Harp eh zerlegt ist, breche ich die harten Kanten am Kamm mit einer Feile. Damit wird das Spielgefühl enorm verbessert.

Das Holz der alten Modelle imprägniere ich mit Jojobawachs :lol: (Bruce wird wieder grinsen) den ich über Nacht satt einziehen lasse.

Die Deckel behandel ich wie bei der Deluxe: Mit einer Kombizange, deren Backen mit Filz beklebt sind, kneife ich vorsichtig die Deckel vorne zusammen und öffne die Harp so für einen volleren Sound.

Beim Umbau ist es wichtig, nicht alle Nägel sofort heraus zu ziehen, um die Positionierung der Deckel und Stimmplatten für die Positionierung der Bohrlöcher (2 mm Bohrer für Stahl) zu erhalten.

Man bohrt sich also am besten Loch für Loch vor (Deckel zuerst). Insgesamt reichen 7 Schrauben: 4x für die Deckel (Manche machen nur oben Schrauben rein) und 3 für den Kamm. 4 gehen auch, dann sind 2 auf der "tiefen" Seite eng bei einander, wo sie sowieso am meisten gebraucht werden.

Ich bin mal "reingefallen", als ich nicht darauf geachtet habe, dass die Nägel immer versetzt angeordnet sind. Seitdem checke ich ganz entspannt, wohin die Schrauben gehören.

Steve Baker hat sich einen Umbau von mir angesehen und fand ihn gut gemacht :-D

Die Bastelei hat auf mich eine sehr entspannende Wirkung 8)
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Pimpinella
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Beitrag von Pimpinella » 12.08.2014, 21:31

Hi

Ich baue mir die immer um, wenn ich sie das erste mal warten muss. Dabei lasse ich die äußeren vier Nägel zunächst stehen. Dann bohre ich mit M1.2 durch und mit Tiefenanschlag mit M1.6 durch Blasplatte und Kanzellenkörper nach. Dann durch das Bohrloch von oben nach unten mit dem Gewindebohrer die M1.2-Löcher in der Ziehplatte auf Gewinde M1.6 schneiden. Ich verwende dann M1.6x10 Niroschrauben mit Zylinderkopf und Innensechskant. Für die Deckel nehme ich den gleichen Schraubentyp in M2 mit Sechskantmutter. Ansonsten biege ich nicht an den Deckeln herum, die sind am stabilsten so wie sie sind.

Gruß, Frank
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Mario
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Beitrag von Mario » 13.08.2014, 12:35

Witzig. Ich dachte, ich sei hier nahezu der einzige, der das macht. Jetzt sind wir schon zu fünft. Die Idee eines Videos dazu hab ich verworfen, weil es kaum von Interesse ist. Vielleicht ja doch nicht?

Übrigens hier ein sehr verwandter Thread: Marine Band Classic 1896: Welche Schrauben für den Umbau?
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munkamonka
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Beitrag von munkamonka » 13.08.2014, 14:31

hi jungs, ich find das auch klasse, was ihr da macht, aber - ernsthaft und ohne ironie: gibt es irgendeinen grund, das zu machen und nicht ne marine band deluxe zu kaufen? ich meine , 13 euro preisunterschied, und dafür ne stunde arbeit, macht doch nicht wirklich wirklich sinn, oder? ich finde ja die abgerundeten kanten und das zip-case sind schon 13 euro preisunterschied wert.

oder gefallen euch die classic aus irgendeinem grund besser?

gruß
m
... meiner meinung nach

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Beitrag von udo » 13.08.2014, 15:26

Nein, es gibt keinen Grund dafür: Es ist, was es ist. :oops:


Obwohl: Wenn ich in meiner Freizeit 6,50 EU die Stunde bekäme (auch im Schlaf)... das wären ca. 1.800,- :-D [ich brauche 2 Stunden für eine Harp. Bin halt ein Genießer]

Die Deluxe ist echt klasse, habe ich auch welche. Die sind ihr Geld wert!

Vom Gesparten kaufe ich mir vielleicht mal eine weitere davon :P
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Pimpinella
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Beitrag von Pimpinella » 13.08.2014, 15:57

Hi

Ich bin mal an einen Schwung 1896er gekommen und davon zehre ich noch. Und da ich werkzeugmäßig gut organisiert bin brauche ich auch keine Stunde dafür. Und offen gestanden mag ich die neuen Kanzellenkörper der Deluxe auch nicht so richtig, die sind mir zu abgerundet. Ist wahrscheinlich alles Geschmackssache.

Gruß, Frank
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Mario
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Beitrag von Mario » 13.08.2014, 16:37

Da ist was dran, Markus. Bei mir ist da irgendwie so eine Prinzipblockade, die das auslöst. Mir geht die Preispolitik der letzten Jahre für Harps immens gegen den Strich. Ebenso die fadenscheinigen Begründungen, die eigentlich nur beweisen, dass man die Käufer für doof hält. Da möchte ich überteuerte Neuentwicklungen möglichst wenig finanzieren. Die MBdL ist ja inzwischen zum Teil wieder im Preis gesunken. Als ich mit der Umbauerei anfing, betrug der Preisunterschied fast 20 Euro! Zum Teil wird sie immernoch für 45 Euro angeboten. Das finde ich indiskutabel, um nicht unverschämt zu sagen. Wenn ich bedenke, wie sich hier bei der Einführung der MBdL über den hohen Preis (von damals ca. 32 Euro) beschwert wurde... Inzwischen regt sich ja kaum noch jemand auf, wenn eine Plastikharp 55 Euro aufwärts kostet.

Inzwischen sehe ich den effektiven Unterschied, abgesehen von den Schrauben, nicht mehr so sehr. Die gebördelten Deckel interessieren mich nicht. Die Deckel sind bei beiden Modellen gleich scharfkantig. Die abgerundeten Kanten an den Kanzellenöffnungen fand ich erst auch besser, hab mich aber nun auch so an die anderen gewöhnt, dass ich es nicht mehr merke. Die Versiegelung der Classic ist inzwischen so gut, dass nichts aufquillt oder abplatzt (dafür ist sie auch ca. 3-4 Euro teurer als früher). Und auf das Zip-Case kann ich sehr gut verzichten.

Wenn man das einmal gemacht hat und passendes Werkzeug hat, dauert das auch keine Stunde. Eher 15-20 Minuten, ohne in Hektik zu verfallen. Und ich kaufe inzwischen so selten Harps, dass ich auch nicht das Gefühl haben muss, vor lauter Bastelei keine Zeit mehr zum Üben zu haben.

Sollte die MBdL mal wieder in Richtung 34 Euro kommen, greife ich wohl eher zur Deluxe. Ich glaube aber kaum, dass das passiert...
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HarpHolger
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Beitrag von HarpHolger » 13.08.2014, 19:13

Ich kann Dich verstehen, Markus.

Dennoch muss ich sagen, dass ich über die Tunerei und zukünftig über das Umbauen noch einen anderen Bezug zum Instrument habe bzw. haben werde.

Das ändert aber auch nichts an meiner Begeisterung für die MBDL oder der Crossover.

Die Classic an sich hat für mich als Umbau- und Tuningharp einen besonderen Reiz.

Genügend Zeit zum üben werde ich trotzdem haben.

Gabriel
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Beitrag von Gabriel » 13.08.2014, 19:15

Mann o Mann! hätte ich eure Beschreibungen
vor meinen umbauten gelesen,Hätte ich das niemals gemacht! Ich habe einfach schrauben von Harps genommen die noch als Ersatzteile da waren.Konserviert habe ich
sie mit Öl, Keine Ahnung mehr welches. Bin mir auch nicht sicher ob ich es noch mal
machen würde. Aber interessant die Anleitungen von euch zu lesen.Da zeigt sich
wieder warum ich kein Handwerker geworden
bin.

Gruß. Bernd
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Beitrag von Pimpinella » 13.08.2014, 19:40

Hi

Naja, welche Schrauben man nimmt ist ja egal. Die, welche ich da verwende finde ich halt sehr praktisch und da sie in allen meinen Harps drin sind brauche ich nur eine Sorte Schraubendreher.

Gruß, Frank
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Beitrag von Johann » 14.08.2014, 17:32

Hallo Holger,

ich habe meine ersten, genagelten BLUES HARPs (Anfang der 90er Jahre gekauft) vor ca. drei Jahren, schraubbar gemacht.
Den Lack an der Außenkannte der Kanzellenkörper, weggeschmirgelt und mit Leinenöl imprägniert, als Schrauben habe ich M2 aus V2A Stahl genommen (da spart man sich den Gewindeschneider).
Pro Harp habe ich, wie Udo schon beschrieben hat, sieben Schrauben verwendet.
Ich habe aber bei einem Costumizer gelesen, daß Messingschrauben, wegen der Elektrolyse, besser sein sollen.

Vor zwei Monaten habe ich mir sieben MB Classic gekauft und habe vor, sie im Winter umzubauen, vorher muß ich aber noch das richtige Einstellen hinkriegen :( , daran hapert es leider noch bei mir, vor allem bei den Kanzellen 6 bis 10.
Schöne Grüße Johann

HarpHolger
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Beitrag von HarpHolger » 15.08.2014, 18:45

Es ist vollbracht.

Hab meine erste Harp umgebaut. Hat geklappt.

Danke an Euch für Euer Feedback. Ich finde es hat was.

Die super verdreckte und verstimmte C-Harp ist jetzt nach Umbau, Reinigung und Nachstimmen wieder voll in Schuss.

Hab auch ein kurzes Video dazu gemacht:

https://www.youtube.com/watch?v=nK09agv ... x5yHRnZo4g

Was spontan hin-gejamtes.... ich hoffe es gefällt Euch!

Viele Grüße

Euer Harpholger

Nachtvogel
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Beitrag von Nachtvogel » 25.08.2014, 16:39

Nicht gleich mit der Bohrmaschine die Nägel aufbohren.
Als erstes habe ich auf einer Seite der Deckelbefestigung angefangen.
Mit einer Cuttermesserklinge bin ich zwischen Deckel und Stimmplatte
gegangen und habe den Decke vorsichtig hochgehebelt, bis die Nägelköpfe
etwas herausstanden. Dann habe ich die Nägel mit einer alten Nagelschehre
herausgehebelt. Erst jetzt wird mit der Bohrmachine und einem 2,2mm Bohrer
durch Deckel, Stimmplatte und Korpus gebohrt......Zur Befestigung benutzte
ich V2 A Linsenkopfschrauben M2x10 und Flachmuttern. Nun das Gleich auf
der anderen Deckelseite.

Nun Schrauben und Muttern zur Deckelbefestigung losschrauben und jetzt
die Stimmplattennägel wie oben beschrieben entfernen.
Ich habe, wie bei der MBDL nur die hintere 3 Befestigungen gewählt. Das
mittlere Loch musste jedoch neu gebohrt werden. Alles nicht ganz so einfach
wie Bernd beschrieben hat.

PS: Die Deckel habe ich hinten umgebördelt. Holzklotz und kleinen Hammer verwenden.


http://www.v2a-schrauben-billiger.de/SC ... 7_108.html <Schrauben


http://www.v2a-schrauben-billiger.de/Mu ... 46_47.html < Muttern


Franky
Zuletzt geändert von Nachtvogel am 26.08.2014, 05:11, insgesamt 1-mal geändert.

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