Special 20 überarbeitet

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Fingerblues
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Special 20 überarbeitet

Beitrag von Fingerblues » 20.10.2013, 09:15

Seit im Bluesharp-Kurs das Tongue-Blocking dran ist, hakt sich die Special 20 gerne mal an den Lippen ein. Beim genauen Hinsehen fiel mir auf, dass die Frontplatte - so vermute ich - separat gefertigt und am restlichen Kanzellenkörper angebracht wird. Leider steht die Frontplatte rundum etwa einen halben Millimeter über, so dass die Ecken sich in die Lippe einhaken können. Vielleicht halte ich die Harp beim Tongue-Blocking in einem anderen Winkel an den Mund, so dass diese Ecken erst jetzt negativ auffallen.

Jedenfalls hab ich gestern die SP20 zerlegt und diese Ecken abgefeilt. Weil ich gerade dabei war, habe ich die Kanten der Kanzellenöffnungen angeschrägt, wie ich es an den höherwertigen Hohners mit Holz-Kanzellenkörper gesehen hatte. Mein Kursleiter erklärte, dass dadurch die Zunge besser die Öffnungen abdichten kann. Da die Feile leichte Riefen hinterlässt, hab ich die bearbeiteten Stellen sowie die vier sichtbaren Seiten des Kanzellenkörpers nass geschliffen. Nun ist das Schwarz seidig matt statt glänzend, und das Mundgefühl ist anders. Ich finds jetzt sogar angenehmer, und der feine Schliff bremst nicht. Die Zunge gleitet besser über die angeschrägten Öffnungen, und vor allem sind diese blöden Ecken weg. Jetzt flutscht das Teil wieder, und ich treffe dadurch die Töne besser. :)

Mario
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Re: Special 20 überarbeitet

Beitrag von Mario » 21.10.2013, 07:25

Hallo Fingerblues,

Glückwunsch zur erfolgreichen Operation. Wenn's hilft, hast du ja alles richtig gemacht. Allerdings ist es Gewöhnungssache, ob man sich mit abgeschrägten Ecken wohler fühlt. Ich spiele u.a. auch SP20, Marine Band Classic und Deluxe. Die fühlen sich alle anders an und gerade die MB Classic hat überhaupt keine gebrochenen Kanten am Kanzellenkörper. Die ist noch mal um einiges scharfkantiger als die SP20. Ich komme aber inzwischen mit allen gleich gut zurecht, obwohl ich anfangs auch Probleme damit hatte. Wie gesagt: Gewöhnungssache. Man wird auch mit der Zeit lockerer im/am Mund, so dass solche Dinge grundsätzlich nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen.
Fingerblues hat geschrieben:Beim genauen Hinsehen fiel mir auf, dass die Frontplatte - so vermute ich - separat gefertigt und am restlichen Kanzellenkörper angebracht wird.
Ich kenne den Fertigungsprozess zwar nicht, aber an diese Vermutung glaube ich nicht, das wäre m.E. viel zu teuer. Solche Teile fertigt man in aller Regel im Spritzgussverfahren und da wäre es unwirtschaftlich, die Front wegzulassen, um sie parallel an einer zweiten Maschine zu spritzen und anschließend (womoglich noch von Hand) beides zusammenzubringen. Man macht die Form gleich so wie es aussehen soll und ist in einem Arbeitsgang fertig.
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udo
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Beitrag von udo » 21.10.2013, 08:23

Die Sp20 finde hat eigentlich doch schon von Haus aus gut gerundete Kanten an den Kanzellenöffnungen.

Was ich ihr aber immer antue sind das Öffnen der Deckel vorne (mit einer Kombizange, deren Backen mit Unterlegfilz beklebt sind) und das Entfernen der lästigen Spritzgussreste zwischen den Zinken des Kamms. Dann kommt man auch ohne Zerlegen an die Zungen (gebogene Büroklammer) und kann von außen Löseabstände nachjustieren sowie Fremdkörper besser entfernen.
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