Tremolo-Noten

Themen für Spielanfänger, Geschichte verschiedener Mundharmonikas und alles, was sonst nirgendwo passt.

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Hunsrocker
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Tremolo-Noten

Beitrag von Hunsrocker » 09.02.2020, 12:03

Hallo zusammen. Gestern kam das Thema Mundharmonika bei einem kleinen Familientreffen auf und es stellt sich heraus daß meine Mutter und mein verstorbener Opa früher ebenfalls Mundharmonika spielten, laut meiner Mutter hat mein Opa wohl auch recht gut gespielt und mir und meinem Bruder in jungen Jahren sogar öfter mal was vorgespielt (kann mich leider nicht mehr dran erinnern). Wie es der Zufall so wollte, ist die alte Tremolo-Mundharmonika (Hohner echo 2309) von meinem Opa noch vorhanden. Was ich mich jetzt Frage: wie sieht es mit dem spielen/Noten für sowas aus? Die Kanzellena haben keinerlei Nummerierung oder so, woher weiß man wie man zu spielen hat? Rein nach Gehör ?

madhans
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von madhans » 09.02.2020, 12:06

Hi!
Die Beschriftung siehst du ja auch bei der Bluesharp nicht, wenn du spielst. Also gleiche Herangehesweise?
Aber du bekommst sicher haufenweise hifreichere Antworten als meine. :-D :-D

Grüße
CB

triona
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von triona » 09.02.2020, 14:13

Hunsrocker hat geschrieben:
09.02.2020, 12:03
Die Kanzellena haben keinerlei Nummerierung oder so, woher weiß man wie man zu spielen hat? Rein nach Gehör ?
Das ist meistens das Beste.
Vorne weg kurz zusammen gefaßt: Du kannst sie spielen wie eine normale diatonische 10-Loch-MuHa (Typ Bluesharfe). Bloß Benden oder Overblow geht halt nicht. Du mußt nur immer jeweils 4 neben- und untereinander liegende Einzellöcher ansehen wie ein einziges Loch einer Bluesharfe.


Aber wenn du es genau wissen willst, hast du hier die Tonbelegung für Hohner Tremolo Harmonikas mit Wiener Schwebetonstimmung in C:

Bild

Wenn deine MuHa 32 Töne hat, dann gelten für dich die "Quadranten" (= Lochgevierte) 2 bis 9. Diese entsprechen den entsprechenden Kanälen einer diatonischen 10-Loch-MuHa in Richter-Stimmung. So einen "Quadranten" (= 4 Einzelkanäle mit jeweils nur 1 Stimmzunge) kannst du ansehen als einen einzigen Kanal einer "Bluesharfe". Die Kanäle 1 und 10 einer solchen sind bei der 32-tönigen Ausführung nicht vorhanden. Die (einzige vollständige) Kernoktave (= Quadrant 4 bis 7) liegt dann auf den jeweils übereinander liegenden Lochpaaren 5 bis 12, wenn man diese von links begonnen einzeln durchzählt.

Wenn deine MuHa nicht 32 Töne hat, mußt du entsprechend die anderen Quadranten aus der Grafik berücksichtigen. Wenn deine MuHA in einer anderen Tonart als C ist, dann mußt die Tonbelegung transponieren. D.h. du mußt die Richter-Tonbelegung der entsprechenden Tonleiter so in das Schema einpassen, daß die Kernoktave wieder auf die Quadranten 4 bis 7 zu liegen kommt.

Ich habe in dieser Darstellung die Blastöne gelb angezeichnet und die Ziehtöne grün. Die rote Linie umrahmt die für die 32-tönige Ausführung in Frage kommenden Kanäle der Quadranten 2 bis 9. Die kleinen Zahlen, die ich über die Tonbezeichnungen geschrieben habe, brauchen dich nicht zu kümmern. Die beziehen sich auf die Oktavstimmung und bezeichnen die Oktave. Bei deiner Tremolo (= Schwebetonstimmung) sind die Stimmzungen der jeweils übereinander liegenden Einzelkanäle "gleich" gestimmt, d.h. sie sind jeweils in der selben Oktave, auch wenn sie um einige Cent von einander abweichen.

Daß die Stimmzungen nicht zu zweien in einem einzigen Kanal liegen wie bei der Bluesharfe, ist übrigens der Grund, warum sich diese Wiener Schwebetoninstrumente praktisch nicht Benden oder überblasen lassen. Zum einen fehlt die Interaktionsmöglichkeit von Blas- und Ziehzunge, die nur gegeben ist, wenn beide in einem gemeinsamen Kanal liegen. Zum anderen wird das Benden auch durch die Schwebetonstimmung behindert bis unmöglich gemacht, da sich hier schon die beiden "gleich gestimmten" Stimmzungen um einige Cent voneinander unterscheiden.


Bildnachweis: aus Helmuth Herold, Spielanleitung für diatonische Mundharmonikas mit Wiener Oktav- oder Wiener Schwebeton-Simmung; Hohner Verlag Mainz, 1984, ISMN 979-0-2029-2001-5, Bestell-Nr. MH 180037.
Die Grafik wurde von mir bearbeitet.

Das Heft ist noch im Handel. Es hat 36 Seiten und enthält auch die Noten von ca 2 Dutzend einfachen Liedern, einige Übungen und eine Schablone mit Bezeichnung der Quadranten / Lochgevierte zum Aufkleben auf den oberen Deckel der MuHa.


Ich wünsch dir viel Spaß damit.

liebe grüße
triona
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Erklärung Tremolo / Wiener Schwebtonstimmung

Beitrag von Christines meadow » 13.02.2020, 09:18

Hallo Triona,

vielen Dank für diese Erklärung, Aufsatz drüber. Hat mich auch interessiert.

Schöne Grüße Christines meadow / Kerstin
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von Hunsrocker » 15.02.2020, 20:59

Das Buch habe ich mir bestellt und kam.aich die tage an. Ich werde mir wohl nächsten Monat noch die Hohner comet kaufen, ich hab zwar die Echo zuhause, jedoch gefällt mir die comet besser

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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von triona » 16.02.2020, 00:14

Falls du Freude an diesem Schwebetonklang hast: Ich habe noch einige sehr gut erhaltene Tremolo-MuHas übrig, die ich günstig abgeben könnte.
1x Hohner Golden Melody 40, 40 Töne, Tonart G, Richter-Stimmung
1x Seydel Fanfare, 48 Töne, Tonart C, Solo-Stimmung
1x Suzuki Baritone, 42 Töne, Tonart tiefes C (=1 Oktave tiefer), asiatische Solo-Stimmung

außerdem noch 2 ältere Hohner Echo Wender 5580, 2x40 Töne, Tonart C+G und D+A
und eine Thomann Wender 48, 2x48 Töne, Tonart C+G

Sag mir Bescheid, wenn du Interesse daran hast.


liebe grüße
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von Hunsrocker » 19.02.2020, 16:30

Kurzes Update: hab nun eine Hohner "unsre Lieblinge" in 24er version. Meine Mutter hatte sie neulich gefunden

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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von triona » 19.02.2020, 19:39

Da kannst du dann die Tonbelegungstabelle von oben nehmen mit den kleinen Zahlen zur Angabe der Oktave. (Die Tabelle hast du ja jetzt in deinem Heft auch im Original.) Die Logik dieser Stimmung ist genau gleich wie bei den Tremolomodellen (Wiener Schwebeton), nämlich in Quadranten / Lochgevierten. Lediglich bei den übereinander liegenden "gleichen" Tönen ist der Abstand 1 ganze Oktave - ohne Schwebton, wenn noch sauber gestimmt. Die Töne der oberen Reihe sind eine Oktave höher als die Töne der unteren Reihe. In welcher Tonart ist sie denn?

Hast du auch schon deine Comet? Und in welcher Tonart?


liebe grüße
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von Hunsrocker » 19.02.2020, 19:43

Die "neue" ist in c. Die comet habe ich noch nicht

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Re: Erklärung Tremolo / Wiener Schwebtonstimmung

Beitrag von Christines meadow » 06.03.2020, 15:33

Hallo Triona,
aufgrund Deines "Aufsatzes" habe ich meine Hohner International Deep Valley und meine Chord von Hering (made in Brasilien) aus der Schublade gekramt (beide 40er) und bin sehr begeistert vom Spielen von Shanties und auch Fahrtenlieder mit der Chord, nachdem ich jetzt weiß, wie man diese spielt. Die Tremolo sagt mir nicht so zu. (Ist ja Geschmackssache).
Nochmals Dankeschön dafür! :h
Gruß Christines meadow
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von triona » 06.03.2020, 17:21

Gerne geschehen. Freut mich sehr.

Die beiden MuHas kenne ich nicht. Ist die Hohner International Deep Valley eine Tremolo? Ich kenne die Hohner Big Valley 48. Das ist eine Tremolo.

Und ist die Hering Chord eine Oktav-MuHa? Chord hört sich ja eher nach Akkord an.


liebe grüße
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von Christines meadow » 07.03.2020, 09:37

Hallo Triona,
Ich bin mir jetzt auf Deine Fragen ganz unsicher. Kenne mich da nicht so aus!
Die big valley ist eine doppelreihige 20er= 40 / Kanzellenbereich und auch Boden eben, und die Sonhadora von Hering, made in Brazil, ist eine doppelreihige 20er= 40 / mit nach innen gewölbtem Kanzellenbereich und geradem Boden. Vielleicht weißt Du mit dieser Aussage schon die Antwort?
Wenn Du mir nochmals Deine Mailadresse im privaten Bereich schreibst, dann sende ich Dir ein Foto der beiden Muhas! (Hier kann ich die nicht hochladen. Da bin ich zu ..... dazu!)

Gruß Christines meadow
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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von triona » 07.03.2020, 21:22

Hallo Kerstin!
Christines meadow hat geschrieben:
07.03.2020, 09:37
Die big valley ist eine doppelreihige 20er= 40 / Kanzellenbereich und auch Boden eben,
aha, nicht "Deep Valley", sondern "Big Valley". Die "Big Valley 48" als anscheinend letztes noch aktuelles Modell ist eine Tremolo.
https://www.hohner.de/de/instrumente/mu ... -valley-48
Die gab es sicher - wie bei Hohner früher meistens üblich - auch als "Big Valley 40". Es ist wohl die Billigvariante von Tremolo bei Hohner. Vlt ist daher die Fertigungsqualität nicht so hoch (Herstellung möglicherweise in China?). Ich habe aber noch nie eine davon gespielt.

Wenn ich Tremolo spiele, dann eigentlich ausschließlich Seydel Fanfare. Ziemlich teuer, aber sehr hochwertig. Was Klang und vor allem Lautstärke und Luftbedarf betrifft, stinken dagegen alle anderen Tremolos, die ich bisher gespielt habe, restlos ab. Außerdem sind die in Solostimmung, d.h. wie eine Chrom. Stimmplatten, Kämme und Deckel sind von der Deluxe Chrom, nur eben ohne Schieber. Das käme möglicherweise deinen Spielgewohnheiten mehr entgegen. Falls wir uns mal wieder sehen, kannst du ja auch mal in eine von mir reinblasen. Ich hab allerdings nur welche mit Messing-Stimmzungen. Neu gibt es die mittlerweile nur noch mit Stahlzungen, was auch bedeutet, daß sie noch teurer geworden sind.
https://www.seydel1847.de/epages/Seydel ... cts/23480C

Christines meadow hat geschrieben:
07.03.2020, 09:37
die Sonhadora von Hering, made in Brazil, ist eine doppelreihige 20er= 40 / mit nach innen gewölbtem Kanzellenbereich und geradem Boden.
aha, nicht "chord", sondern "Sonhadora".
Das wäre dann wohl diese hier:
https://www.amazon.de/Hering-8348-C-Son ... B003LW5ZSQ
Das sieht aus, wie die Kopie einer Hohner "Unsere Lieblinge" (neueste Bauart) und wäre dann eine Oktav-MuHa wie diese auch. Die gibt es übrigens so gut wie nirgends mehr im Handel, weil Hering seit ein paar Jahren in Insolvenz ist und keine MuHas mehr baut.

Eigentlich waren das schöne MuHas, besonders deren Chromatische. Ersatzteile dafür werden auch immer seltener. In Berlin ist noch ein früherer Vertragshändler, der für das eine oder andere Modell noch kleine Reste von Ersatzteilen vorrätig hat.

Übrigens: "Unsere Lieblinge" habe ich immer sehr gern gespielt. Lediglich der raspelartige Holzkamm war sehr belastend für die Lippen. Die neue Seydel "Club Steel" stellt die allerdings weit in den Schatten.
https://www.seydel1847.de/epages/Seydel ... cts/31400C
Bauart und Stimmsystem gleich wie Hohner " Unsere Lieblinge" oder Hering "Sonhadora", lippenfreundlicher Kunststoffkamm, klangstarke Stahl-Simmzungen, immerhin in 4 Tonarten erhältlich.

Wenn es auch eine Knittlinger Oktav sein darf:
https://www.seydel1847.de/epages/Seydel ... cts/31401C
War schon mit Messingzungen die Königin der Oktav-MuHas. Diese waren allerdings ziemlich verschleißanfällig. Ich hoffe, daß das mit den neuen Stahlzungen der Vergangenheit angehört. Gibt es in 10 Tonarten. Sind ventiliert, was wahrscheinl die hohe Lautstärke ermöglicht.


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Re: Tremolo-Noten

Beitrag von Christines meadow » 08.03.2020, 10:54

Vielen Dank Triona,
für Deine ausführliche Information. Speziell auch mit Nennung der neueren / besseren Varianten von Seydel. Werde ich mir mal anschauen.

Die Sonhadora hat auch einen Holzkamm und die Schalldeckel sind leider nicht verschraubt. Weiß gar nicht, wie man die säubern soll. Ich habe sie damals bei Hohner gekauft. Das Mundstück hat am Anfang ziemlich nach Lack geschmeckt. Hatte dann auch Hohner angesprochen und Rcihard Weiß gab mir die Antwort, dass sie gerade an diesem Problem arbeiten. Nach einer Weile hat sich aber der Geschmack verflüchtigt. Sie klingt auch gut mit Blues - habe ich gestern probiert - allerdings ohne Benden.

Lieber Gruß, Christines meadow / Kerstin
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